Prozess um schwere Körperverletzung vor dem Marburger Landgericht

Marburg/Schwalm. Auch die Anhörung von mehr als zehn Zeugen bei einer Berufungsverhandlung vor dem Marburger Landgericht brachte kein Licht in die Geschehnisse.

Für eine angeblich verübte schwere Körperverletzung in einer Nacht im April 2010 war ein 37-jähriger Lastwagen-Fahrer aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis bereits vor einem Jahr vorm Amtsgericht Schwalmstadt zu einer einjährigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 37-Jährigen vorgeworfen, in einem Wohngebiet einen Bekannten vor seiner Haustür mit der Faust ins Gesicht geschlagen und anschließend den am Boden liegenden mehrfach heftig ins Gesicht getreten zu haben. Angeblich hatte dieser ihn nicht gegrüßt.

Bei dem Vorfall hatte der Geschädigte, der vor Gericht als Nebenkläger auftrat, eine Gehirnerschütterung, einen Jochbein- und einen Nasenbeinbruch sowie einen Bruch des Oberkiefers davongetragen. Die Verletzungen wurden wochenlang in der Marburger Uniklink behandelt.

Treffen vor der Haustür

Die Tat stritt der Lastwagen-Fahrer auch vor dem Landgericht ab. Er sei erst gegen 23 Uhr von einer Geburtstagsfeier nach Hause gekommen und habe den Busfahrer vor seinem Haus getroffen. In seiner Wohnung habe er mit diesem noch ein Bier trinken wollen. Dabei habe der bereits betrunkene Mann mit Blick auf ein Küchenmesser gesagt, er wolle ihn abschlachten wie ein Schaf. Daraufhin habe er den Busfahrer aus der Wohnung geworfen.

Kurze Zeit später sei der Geschädigte, bereits verletzt und blutend, wieder bei ihm erschienen. Erneut habe er ihn daraufhin nach Hause geschickt.

Mit 21 Uhr nannte der Geschädigte in seiner Vernehmung aber eine ganz andere Tatzeit. Der 37-jährige habe sich völlig grundlos auf ihn gestürzt und ihm die schweren Verletzungen zugefügt.

Die Ehefrau des Busfahrers, die die Tat von ihrem Badezimmerfenster aus beobachtet hatte, nannte ebenfalls 21 Uhr als Tatzeit und schilderte in allen Einzelheiten den Ablauf der Geschehnisse.

Sie habe den Angeklagten klar erkannt und gesehen, wie er ihrem Mann mehrfach ins Gesicht getreten habe.

Gekrochen wie ein Hund

Ein dritter, bei der Tat angeblich anwesender, jedoch nicht beteiligter Bekannter beider Männer erklärte, gegen ein Uhr nachts einen Mann gesehen zu haben, der vor der Haustür herumgekrochen sei wie ein Hund. Eine Nachbarin bestätigte zumindest in Teilen die Version des Angeklagten. Sie habe gegen 23 Uhr laute Gespräche mitbekommen und gehört wie der Angeklagte den Geschädigten mit den Worten „Geh nach Hause, das ist mein Haus“ zum Verlassen des Hauseingangs aufgefordert hatte.

Erinnerungen mit Lücken

Sie habe gesehen, dass der Geschädigte über den Bordstein gestolpert und hingefallen sei.

Danach sei er auf allen Vieren nach Hause gekrochen. Mehrere der gehörten Zeugen konnten sich jedoch nur noch bruchstückhaft erinnern. „Hypothetische Geschehensabläufe kann das Gericht kaum als Grundlage für ein Urteil heranziehen“, betonte Richter Wolf Winter.

Um der Staatsanwaltschaft Zeit für weitere Ermittlungen zu geben, neue Zeugen zu laden und auch die Alibis der bisher gehörten Zeugen zu überprüfen, wird die Verhandlung voraussichtlich im August fortgesetzt.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

Kommentare