Landgericht hebt Urteil auf – 22-Jähriger Krankenpflegehelfer wurde freigesprochen

Faustschläge waren Notwehr

Marburg/Schwalmstadt. Sichtlich erleichtert verließ ein 22-jähriger Krankenpflegehelfer aus dem Altkreis Ziegenhain den Gerichtssaal des Marburger Landgerichts. Das Gericht hatte ihn vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Im September vergangenen Jahres hatte ihn das Amtsgericht Schwalmstadt zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Dagegen hatte der bisher nicht vorbestrafte junge Mann, der ohne Rechtsbeistand vor Gericht erschienen war, Berufung eingelegt. Das Amtsgericht in Schwalmstadt hatte es als erwiesen angesehen, dass der Mann am 17. April 2010 nach einer Auseinandersetzung mit drei anderen jungen Männern vor einer Gaststätte in Schwalmstadt einen der drei mit Faustschlägen zu Boden gestreckt und anschließend angeblich mit seinem Fuß mehrfach gegen den Kopf des am Boden liegenden getreten hatte.

Die dabei erlittenen schweren Verletzungen, unter anderem hatte der Geschädigte einen Nasenbeinbruch davongetragen, waren noch in der Nacht im Schwalmstädter Klinikum behandelt worden. Im Arztbrief der Klinik hatte der Geschädigte allerdings Schläge und nicht Tritte als Ursache der Verletzungen angegeben.

Vehement und nach Worten ringend stritt der Angeklagte, bei dem nach der Tat eine Blutalkoholkonzentration von 1,27 Promille festgestellt worden war, vor dem Marburger Schöffengericht die ihm zur Last gelegten Tat ab.

„Ich hätte keine Chance gehabt. Die waren zu viert. Ich war alleine. Die hätten mich zusammengefaltet wie nichts.“

Der angeklagte

Er deutete die Anschuldigungen der Schlägereigegner, die aus der rechten Szene kämen, als Antipathie gegen seine dunkle Hautfarbe. Er selbst habe lediglich geschubst, einmal aus Notwehr mit der Faust zugeschlagen und versucht, sich so gegen den Angriff der anderen jungen Männer zu verteidigen. „Ich hätte keine Chance gehabt. Die waren zu viert. Ich war alleine. Die hätten mich zusammengefaltet wie nichts“, sagte der junge Mann hocherregt.

Widersprüchliche Aussagen

Die vom Gericht geladenen Zeugen, der Geschädigte und zwei weitere an der Aktion beteiligte junge Männer, verstrickten sich bei ihrer Vernehmung mehr und mehr in Widersprüche, die der Richter als eine vorher von den dreien getroffene Absprache deutete.

Bereits der Staatsanwalt forderte deshalb in seinem Plädoyer das Urteil des Amtsgerichts Schwalmstadt aufzuheben. „Auf Grund der zum Teil widersprüchlichen Zeugenaussagen spricht viel für die Version des Angeklagten“, stellte er fest. Das Gericht folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und sprach den jungen Mann frei.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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