FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner beim Empfang der Schwalm-Eder-Liberalen

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Gilt als kommender Mann: Christian Lindner, hier mit der Melsunger FDP-Vorsitzenden Marion Viereck.

Melsungen. Das hat gepasst aus Sicht der Schwalm-Eder-Liberalen: Nur drei Tage nach dem viel beachteten Stuttgarter Dreikönigstreffen hatten sie am Sonntag FDP-Generalsekretär Christian Lindner als Redner zu Gast bei ihrem Neujahrsempfang in der Melsunger Stadthalle.

Zwei Tage zuvor ist der Mann, dem viele Kommentatoren bereits die Nachfolge Guido Westerwelles zutrauen, erst 32 Jahre alt geworden. Das Interessante an seiner Melsunger Rede war, dass Lindner auch nicht merkbar mehr Selbstkritik zum desaströsen Erscheinungsbild der Liberalen äußerte als zuvor in Stuttgart sein Parteichef – womit Westerwelle viele gestandene Liberale enttäuscht hatte. Der Unterschied: Bei Lindner fällt das nicht so auf. Denn er kommt eher bedächtig analysierend als selbstgewiss belehrend rüber.

Es war eine mehr programmatische als emotionale Rede, mit der er sich dem Parteivolk in Melsungen empfahl. „Die Menschen können das Geld gar nicht so schnell erwirtschaften, wie die Politiker sich neue Staatsaufgaben ausdenken“ – mit solchen Befunden sprach er wohl die liberale Seele an, fürs Herz gab es nur am Anfang und am Schluss einige wohldosierte Balsamtropfen: Die schaffenden Menschen, nicht die Politiker, könnten stolz sein auf die unerwartet gut geglückte Bewältigung der Wirtschaftskrise, sagte der Generalsekretär.

Und zu dem, was die Partei – ohne nähere Zustandsbeschreibung – „im letzten Jahr“ umgetrieben und gebeutelt hat, wollte Lindner lediglich einfallen, was Otto Graf Lambsdorff einmal befunden hatte: Liberalismus sei nun mal „nichts für Leute mit schwachen Nerven“. Da konnten sich etliche Langgediente im Publikum emotional andocken.

Der liberale Unternehmer Ludwig Georg Braun hatte zuvor deutlichere Worte gefunden: „Der Sturm bläst uns ins Gesicht.“ Braun sprach sich, wohl auch mit Blick auf den Gast, dafür aus, die FDP müsse „eine Partei der Jugend“ werden. Lindner wie auch der Konzernchef gehören beide der Kommission an, die ein neues Grundsatzprogramm der FDP erarbeitet.

So stellte sich Lindner verbindlich, moderat und rhetorisch versiert in erster Linie als einer vor, der am Parteiprofil der Zukunft feilt. Er gab ein klares Bekenntnis zur Wachstumsorientierung ab, weil nur vor diesem Hintergrund der fleißig strebende Mensch seine Lage verbessern könne. Stillstand führe lediglich zu Verteilungskämpfen. Und mit Blick auf Lebenschancen und Zukunftsfähigkeit sei es Zeit für „einen neuen Bildungsvertrag zwischen Bund, Ländern und Kommunen“ statt eines ideologisch eingefärbten Schul-Förderalismus.

Demoskopisch angezählt

Doch allein mit einem Lambsdorff-Zitat, das ist einem politischen Talent wie Lindner klar, kann man demoskopisch angezählte Parteigänger auch nicht entlassen.

Mit Blick aufs schwarz-gelbe Regierungsgeschäft beteuerte er: „Wir haben den Auftrag der Wähler nicht vergessen.“ Seine Vorstellung: Die FDP solle neuen Staatsausgaben nur dann zustimmen, wenn Zug um Zug „die Mitte entlastet wird und Schulden abgebaut werden“.

Es gelte, „den Bürgern neu zuzuhören, Prioritäten zu setzen und diese dann mit aller Härte und Konsequenz in der Koalition zu vertreten.“ (asz)

Quelle: HNA

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