Feier und Gesprächsrunde nach 20 Jahren Flüchtlingshilfe

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Geehrte Mitarbeiter: Diakoniepfarrerin Margret Artzt und Dekanin Sabine Tümmler ehrten Silvia Scheffer, Matthias Pohl, Albrecht Rehs und Irene Albayrak, Clelia Gerhard-Wiesemann, Matthias Kißner, Jens Retting-Frendeborg und Jürgen Kurz.

Homberg. Das waren deutliche Worte: Eine Veränderung im Kopf der Menschen forderte Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, am Donnerstagabend in der Stadtkirche in Homberg.

Alle wüssten, dass wegen der Überalterung auch im Schwalm-Eder-Kreis immer weniger Menschen lebten. Schon jetzt gebe es eine starke Nachfrage in den Betrieben nach jungen Leuten. „Zu glauben, wir könnten unter uns bleiben, halte ich für einen Fehler“, sagte der Bischof während der Veranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes.

Hein betonte, dass Deutschland das Potential der Migranten brauche, und das könne man sinnvoll nutzen. Denn die Asylsuchenden seien keine Kostgänger. Wichtig sei, die Asylverfahren abzukürzen, damit Zuwanderer schnell ins Berufsleben integriert werden könnten: „Die meisten wollen arbeiten und können nicht.“ Michael Schneider, Büroleiter der Kreisverwaltung, zeigte Verständnis für die Probleme, gab aber auch zu bedenken, dass der Kreis sich um mehr und bessere Unterkünfte bemühe, aber oft auch Ablehnung vor Ort erfahre, wenn ein Standort für ein Asylantenheim in Frage komme. „Ich habe den Eindruck, diese Menschen sind bei uns nicht sehr willkommen“, sagte der Bischof. Scheinbar wolle man in der Politik kein anderes Signal geben, sonst würden Asylverfahren schneller abgewickelt und genügend Unterkünfte geschaffen. Aber jeder könne einen Beitrag dazu leisten, Migranten willkommen zu heißen, indem er seine Tür öffne. Das gelte auch für die Kirchengemeinden, die Begegnungsmöglichkeiten schaffen könnten. Es helfe, sich die Geschichten der Asylbewerber anzuhören und ihnen das Leben im Dorf zu zeigen, sie beispielsweise zu Aktivitäten der Vereine einzuladen, damit Asylbewerber Kontakt bekommen. Moderator Dierk Glitzenhirn fragte kritisch nach, ob die Kreisverwaltung offen wäre für eine Verbesserung der Kommunikation mit den Einwohnern vor der Einrichtung eines Asylantenheims. „Wir können auch kreativ lernen in der Verwaltung“, antwortete der Büroleiter. Der Informationsfluss werde in Zukunft besser funktionieren. (yma)

Quelle: HNA

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