Altes Forsthaus: Stück für Stück wird abgetragen, das Material sorgfältig sortiert

Feinarbeit statt Abrissbirne

Naumburg. Wenn Martin Bock richtig zupackt. wackeln die Wände. Derzeit ist der 41-Jährige aus Wellen in Naumburg am Werk. Mit seinem Bagger zerlegt er das alte, marode Forsthaus am Elbener Pfad.

Mit zwei kleinen Steuerknüppeln, den Joysticks, steuert er den kraftvollen Arm seiner schweren Arbeitsmaschine. Virtuos dirigiert er den Sortiergreifer, bringt ihn zentimetergenau in Position, um sich ein Bauelement oder einen einzelnen Balken packen. Ganze Wände drückt er nur selten ein.

Zähe Aufgabe

Der Abriss von Immobilien ist heute eine zähe Aufgabe. Die Zeiten der Abrissbirne, mit der man innerhalb kürzester Zeit eine ganzes Haus plattmachte, sind lange vorbei. Es muss sorgfältig getrennt werden. Holz, Metall, Mineralwolle, Müll - alles wird sortiert. Beim Holz separiert Bock sogar das noch für Sanierungen brauchbare Eichengebälk vom Nadelholz.

Das braucht seine Zeit. Seit Mitte vergangener Woche sind Martin Bock und zwei weitere Kollegen von der Bad Wildunger Firma Schaumburg mit dem Abriss des 1820 errichteten Gebäudes beschäftigt. Als erstes wurde ausgemistet, sagt Jakob Wallinger. Der 60 -Jährige gehört zum zweiköpfigen Fußtrupp, der das Innere des Gebäudes per Hand vom Dach bis zum Keller leerräumte. Im alten Forsthaus, das vor zweieinhalb Jahren über eine Zwangsversteigerung den Besitzer wechselte, habe man mächtig räumen müssen, sagt Wallinger und grinst vielsagend.

Mit Dämmwolle vollgestopft

Noch schlimmer sei aber, dass der frühere Eigentümer das Fachwerkhaus, in dem bis Anfang der 70er-Jahre das Forstamt seinen Sitz hatte, mit Dämmmaterialien regelrecht vollgestopft hatte. „Soviel Glaswolle wie hier hatten wir noch nie“, sagt Jakob Wallinger. Dazu Styropor und auf dem Dachboden als Wärmeisolierung obenauf noch jede Menge alte Matratzen.

Die Glaswolle wird in große Kunststoffsäcke gepackt. Die anderen Abfälle in Container geworfen. Die Balken schichtet Martin Bock an der Einfahrt auf. Die wuchtigen Sandsteine des Sockels wird er ebenfalls auf einen Extra-Platz packen. Einen nach dem anderen, mit präzisem Einsatz des Greifers. Besonders beim Grundstein wird er die Kraft der Stahlkralle fein dosieren, schließlich soll der Stein im neuen Gebäude - eine Einrichtung für generationenübergreifendes betreutes Wohnen des Internationalen Bildungs- und Sozialwerkes - eingebaut werden.

Bis Bock aber den behauenen Stein fassen kann, wird es wohl noch etwas dauern. Mehr als eine Woche, sagt der Abriss-Spezialist, werden er und seine Kollegen am alten Forsthaus noch zu tun haben.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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