Die Felder des Schreckens

Wunder an der Marne: Christeröder Heinrich Kuhl berichtet aus Schützengräben

Im Graben lauerte ständig der Tod: Nach der Schlacht an der Marne beginnt der Stellungskrieg. In den Schützengräben treffen sich auch Schwälmer. Repros:  HNA/

Die Schlacht an der Marne in der ersten Septemberwoche 1914 markiert den ersten Wendepunkt des Ersten Weltkrieges und das Scheitern des Schlieffen-Plans. Es begann der mörderische Stellungskrieg mit verlustreichen Angriffen und Gegenangriffen.

Schwalm. Von solch einem Schlachtfeld gibt das Tagebuch des Unteroffiziers Heinrich Kuhl aus Christerode, das Helga Völker aus Oberaula sorgfältig bewahrt, einen realistischen Eindruck. Heinrich Kuhl war mit seiner Einheit überwiegend in dem Dörfchen Nonsard untergebracht. Von dort marschierten sie in verschiedene Stellungen.

Sie waren ständig Artilleriebeschuss ausgesetzt: „Sonnabend den 14. November wurde das Dorf von 8.30 - 1.30 Uhr heftig beschossen. Ein schweres Schrapnell platzte über unserer Scheune mit einem furchtbaren Knall. Schrapnellkugeln und Ziegelstückchen schlugen mit großer Heftigkeit zwischen uns auf das Stroh nieder. Wir kamen mit dem Schrecken und blauen Flecken davon. Die ganze Umgebung war in Staub und Qualm gehüllt. Dazwischen hörte man die Verwundeten jammern. Nachdem wir die Opfer beerdigt hatten, mit allen Ehren, marschierten wir wieder ab, um 48 Stunden im Schützengraben dem Tode ins Auge zu sehen (…)

Mittwoch den 16. Dezember, nachmittags um drei Uhr ist Abmarsch, doch nicht nach unserer alten Stellung sondern bei Essey, wo am 12. der heftige französische Angriff erfolgte. Wir kommen durch Pannes und ich treffe hier den Diehl und Merle aus Hauptschwenda, den Johannes Richardt aus Schwarzenborn und den Schade von Schorbach (…) wir besetzen die blutgetränkte Stellung. Es liegen noch sehr viele Tote umher. Schlafen gibt’s nachts nicht, keine Minute. Wir liegen uns mit den Franzosen bis auf 40 Meter gegenüber.

Donnerstag, 17. Dezember, als es hell wird morgens, bekommt ein guter Freund Uffz Winker einen Kopfschuss und stirbt. Die französische Infanterie ist dauernd Tag und Nacht am Schießen. Tag ging´s noch heftiges Artilleriefeuer.

Freitag, 18. Dezember: Den Uffz Winker beerdigen und noch fünf fremde Tote, die neben unserem Schützengraben liegen und einen süßlichen Leichengeruch von sich geben. Sonst liegen noch viel mehr tapfere deutsche Kameraden, welche ihr Leben dem Vaterland opfern mussten.

Es ist hier eine schlechte Stellung. Schützengräben kreuz und quer. An einer Stelle ist die Entfernung nur 15 Meter und hier tun Handgranaten das beste. Ein Schlachtfeld ist hier, wie ich noch fast keines gesehen habe. Tote Franzosen massenhaft. Französische Granaten haben hier ganze Arbeit geliefert. Ganze Gruppen von unseren Braven liegen unter den Deckungen begraben.

Die Schützengräben sind stellenweise ganz weggefegt. Arme, Beine, ganze Körperteile liegen umher, Blut, wo man hinsieht. Dieses rührt vom französischen Angriff her, der am 12. stattfand, aber doch abgeschlagen wurde. Dieses Schreckens- und Leichenfeld vergesse ich nie.“

Quelle: HNA

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