Mann erhebt außerdem Vorwürfe gegen die Stadt

Felsberger beansprucht Anteil am Markwald

Holz ist bares Geld wert: Geld, auf das der Felsberger Karl-Heinz Kranz Anspruch erhebt. Er ist überzeugt, dass ihm ein Stück des Markwalds Beuerholz gehört. Foto: Féaux de Lacroix

Felsberg. Karl-Heinz Kranz ist überzeugt: Ihm gehört ein Teil des Markwalds Beuerholz - und damit auch ein Teil des Gewinns, den der Wald abwirft.

Im Grundbuch ist jedoch nicht Kranz als Eigentümer eingetragen, sondern die Markgenossenschaft Markwald Beuerholz. Dieser Genossenschaft gehören laut Satzung die Markgenossen aus Felsberg, Gensungen, Beuern und Helmshausen an. Das Problem: Die Markgenossen aus Gensungen, Helmshausen und Beuern sind namentlich bekannt und ins Grundbuch eingetragen. Die Markgenossen aus Felsberg hingegen sind unbekannt.

Rechte und Pflichten dieser unbekannten Markgenossen werden von der Stadt Felsberg wahrgenommen. Das ist auch in der Satzung der Markgenossenschaft so festgeschrieben. In den letzten 30 Jahren habe die Stadt Einnahmen in Höhe von 500.000 Euro aus dem Wald bezogen, behauptet Kranz.

Es geht um viel Geld 

Bürgermeister Volker Steinmetz will sich zur Höhe der Einnahmen nicht äußern. Im Haushaltsplan für 2015 beispielsweise ist der Gewinnanteil aus dem Markwald Beuerholz mit 200 000 Euro beziffert - mit eingerechnet ist hier schon der Gewinn, den der geplante Windpark abwerfen würde. Damit bereichere sich die Stadt auf seine Kosten, so der Vorwurf von Karl-Heinz Kranz.

„Mein Urgroßvater hat als Eigentümer eines Felsberger Burgsitzes im 19. Jahrhundert ein dauerhaftes Holznutzungsrecht zugesprochen bekommen“, sagt er. Dieses Recht beansprucht der 68-Jährige nun für sich. Ein entsprechender Vermerk findet sich in Karl Musters Buch „600 Jahre Markwald Beuerholz“. Dort wird aus einem Statut der Stadt Felsberg vom 4. August 1897 zitiert: Die Eigentümer der fünf Burgsitze hätten „Anspruch auf die Holznutzung aus dem Beuerwalde“, als einer von ihnen wird der Schreinermeister Johann Michael Kranz genannt.

Darauf beruft sich Karl-Heinz Kranz - doch das reicht für einen Eintrag ins Grundbuch nicht aus. Denn dafür müsste er lückenlos seine Eigentümerschaft am Markwald mithilfe öffentlicher Urkunden belegen, erklärt eine Mitarbeiterin des Melsunger Grundbuchamts auf HNA-Anfrage. Dazu genüge ein Statut aus dem Jahr 1897 allein nicht. Karl-Heinz Kranz sei nicht der einzige, der mit dem Versuch, sich ins Grundbuch eintragen zu lassen, gescheitert sei, sagt Klaus Stiegel von der Markgenossenschaft Markwald Beuerholz. Auch andere Felsberger hätten dies bereits erfolglos versucht.

Solange sich das nicht ändert, darf die Stadt die unbekannten Markgenossen weiter vertreten - das hat das Oberlandesgericht (OLG) im Juni 2013 entschieden. Da die Stadt seit mehr als 150 Jahren die Interessen der Felsberger Markgenossen vertritt, komme eine „Fortgeltung von Gewohnheitsrecht“ in Betracht, so das OLG. Dies sei kein „substanzieller Eingriff in die Rechte der unbekannten Markgenossen“.

Grundbuch: Stadt scheiterte vor Gericht 

Auch die Stadt Felsberg ist nicht als Miteigentümerin des Markwalds Beuerholz ins Grundbuch eingetragen. Der Bundesgerichtshof hatte den Eintrag im Juni 2012 abgelehnt.

Denn um als Eigentümer des Markwalds ins Grundbuch eingetragen zu werden, müsste die Stadt zunächst ein Aufgebot zum Ausschluss des Grundstückseigentümers beantragen - mit dem Ziel, die noch unbekannten Markgenossen ausfindig zu machen. Erst, wenn dieses Aufgebotsverfahren keine Ergebnisse bringen würde, könnte man die Stadt als Eigentümerin ins Grundbuch eintragen.

Das Aufgebotsverfahren aber kann die Stadt laut Bundesgerichtshof nur dann beantragen, wenn sie das Grundstück seit mindestens 30 Jahren im Eigenbesitz hat. Da die Stadt aber faktisch immer nur als Vertreterin der unbekannten Markgenossen aufgetreten sei, sei sie eben nicht die Besitzerin des Waldgrundstücks, heißt es in den Ausführungen des Bundesgerichtshofs.

„Das ist ein Schwebezustand, der langfristig nicht hinnehmbar ist“, sagt Bürgermeister Volker Steinmetz. Vorerst müsse die Stadt damit leben. Langfristig aber strebe die Stadt einen Eintrag ins Grundbuch an.

Hintergrund

Der Markwald Beuerholz hat eine Fläche von 640 Hektar. Eigentümerin ist die Markgenossenschaft Markwald Beuerholz, die durch eine Schenkung des Landgrafen Heinrich II. im Jahr 1360 entstanden ist. Die Waldfläche verteilt sich wie folgt: 171 von 300 Anteilen gehören laut Satzung den (unbekannten) Markgenossen von Felsberg, 71 Anteile stehen Gensungen zu, 45 Anteile gehören Beuern und 13 Anteile Helmshausen. Die Mitglieder der Markgenossenschaft haben Mitbestimmungsrechte - sie können zum Beispiel darüber entscheiden, ob aufgeforstet wird oder ob auf der Waldfläche Windräder gebaut werden sollen.

Außerdem profitieren die Markgenossen von den Ausschüttungen: Wenn die Einnahmen, etwa aus Holzverkauf und Jagdpacht, die Ausgaben übersteigen, kann die Markgenossenschaft einen Teil des Überschusses an ihre Mitglieder ausschütten. Rund 140 Mitglieder hat die Genossenschaft.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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