Felsberger will Facebook Konkurrenz machen

Heßlar. Das soziale Netzwerk Facebook bekommt Konkurrenz aus Felsberg: Dort hat ein Hobbyprogrammierer das Netzwerk Kenndich.de ins Leben gerufen. Es soll behinderte und nichtbehinderte Menschen verbinden.

Das Portal findet sich auf http://kenndich.de

Kenndich.de gegen Facebook – das ist wie David gegen Goliath: Facebook hat 845 Millionen Teilnehmer, Kenndich.de bisher nur 26 Nutzer. Allerdings steht hinter dem Netzwerk auch kein milliardenschweres Unternehmen, sondern nur ein Mann: Stefan Noll ist Hobbyprogrammierer und lebt im Felsberger Stadtteil Heßlar.

Beruflich hat der 47-Jährige mit dem Thema soziale Netzwerke eigentlich nichts zu tun: Er arbeitet für die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV).

Stefan Noll

Doch nachdem er sich über Facebook geärgert hatte, beschloss Noll Ende 2011 ein eigenes Netzwerk zu programmieren: Mit frei verfügbarer Software und einem eigenen Server schuf er Kenndich.de. „Das war viel Arbeit, weil die Software in Englisch war“, sagt Noll. Seit Anfang des Jahres läuft sein Netzwerk nun. Es handele sich um ein nichtkommerzielles Projekt ohne Werbung.

Um sich von der großen Konkurrenz abzusetzen, will der Felsberger eine besondere Zielgruppe ansprechen: Menschen mit Behinderung. Denen ist der Zugang zu Facebook zwar ebenfalls möglich, aber bei Kenndich.de sei es den Teilnehmern bewusster, dass sie dort auch Menschen mit Behinderung treffen können.

Ein spezieller Knopf „Handicap“ bei der Anmeldung ermöglicht, zudem seine Behinderung deutlich zu machen. „Ansonsten ist alles so neutral wie möglich“, sagt Noll. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Technisch und optisch kann Kenndich.de zwar nicht mit Facebook mithalten, mit Kalender, Chatfunktionen und Gruppen gibt es aber viele sinnvolle Funktionen. Auch die typischen Datenschutz-Einstellungen sind vorhanden: Wer will, kann sein Profil stufenweise vor fremdem Zugriff absichern.

Zudem will Noll mit einer weiteren Besonderheit gegenüber der großen Konkurrenz punkten: „Man kann durch einen Knopfdruck sein Profil komplett löschen.“ Im Gegensatz zu Facebook würden dann alle Daten entfernt.

Auch für Smartphone-Nutzer ist Kenndich.de leicht zu handhaben: Für Android gibt es eine Anwendung (App), für Apple-Handys ist eine geplant.

Von Göran Gehlen

Quelle: HNA

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