Polizist soll in Pogromnacht jüdisches Ehepaar geschützt haben

War laut Enkel ein disziplinierter Beamter: Erich Troch. Das Bild, auf dem er in Uniform zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1933. Fotos: privat

Felsberg. „Uns allen war der Name nicht bekannt“, sagt Kornelia Dittmar vom Stadtarchiv Felsberg. Aufmerksam gemacht auf Erich Troch, der als Polizist ein jüdisches Ehepaar während der Reichspogromnacht beschützt haben soll, wurde das Archiv von ungewöhnlicher Stelle.

Das United States Holocaust Memorial Museum in Washington sendete eine Anfrage über den Felsberger. Das Museum wiederum kam an die Geschichte über einen jahrzehntealten Hinweis von Siegmund Weinstein, dem Mann, den Troch in der Pogromnacht geschützt haben soll. „Weinstein konnte wahrscheinlich recht unbeschadet entkommen“, erklärt Kornelia Dittmar. Es sei überliefert, dass er sich 1939 nach Kassel abgemeldet hatte. Seine Kinder lebten zu diesem Zeitpunkt schon in den USA, woraus Dittmar schließt, dass Weinstein und seine Frau von Kassel aus recht schnell nach Amerika fliehen konnten. Einzelheiten aus jener Nacht sind Mangelware. „Mein Großvater hat mit mir nicht über die Ereignisse von damals gesprochen“, sagt Klaus Troch, der Enkel des Felsberger Polizisten.

Er beschreibt seinen Großvater als einen konservativen deutschen Beamten, der absoluten Wert auf Disziplin gelegt habe. Trotz allem Konservatismus seien seine Wertvorstellungen aber nicht nationalsozialistisch gewesen.

Laut Dittmar war Troch bis 1945 Polizist. Ob seine Rettungsaktion Folgen für ihn persönlich hatte, sei nicht überliefert, sagt sie.

Vor der Dienstwohnung in Gensungen: Erich Troch mit Ehefrau Anna und den Kindern Luise und Theodor.

„Das, was in der Pogromnacht geschah, ist nur eine Momentaufnahme“, erklärt Klaus Troch seine Sicht der Dinge. Als Polizist sei sein Großvater dennoch Teil des damaligen Systems gewesen. Wenn man bedenkt, wie wenig Informationen über die damalige Zeit in Felsberg existieren, solle man lieber nichts verklären, sagt Troch.

Im Zuge der Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg sei Erich Troch mehrere Monate interniert gewesen, erklärt Klaus Troch. Laut Stadtarchiv Felsberg sei er als Mitläufer eingestuft worden. Nach der Entlassung wurde Erich Troch pensioniert und lebte in Lenderscheid und später bei seinem Sohn in Rotenburg, wo er 1978 im Alter von 92 Jahren starb.

Von Eugen Maier

Quelle: HNA

Kommentare