Einst Pizzeria, bald Synagoge: Gebäude in Felsberg wird wieder Gotteshaus

Fleißige Maler in der ehemaligen Gaststätte zur Burg und Burgschänke: Annette und Christopher Willing gehören zu den Mitgliedern des Vereins zur Rettung der Synagoge, die bisher mehr als 150 Arbeitsstunden geleistet haben. Weitere 50 bis 70 werden noch nötig sein. Fotos: Schaake

Felsberg. Jahrzehntelang ein Gasthaus, zuletzt eine Pizzeria, bald Synagoge: Das Gebäude an der Ritterstraße wird derzeit hergerichtet.

Sie spachteln, streichen Decken und Wände, entmörteln defekte Fliesenreihen, installieren Lampen. Die Mitglieder des 2012 gegründeten Vereins zur Rettung der Felsberger Synagoge sind auch gute Handwerker. Sie richten das Gebäude an der Ritterstraße her, das jahrzehntelang als Gasthaus genutzt worden war, zuletzt bis 2013 als Pizzeria. Dank der Initiative des Vereins wird die ehemalige Synagoge nun wieder Gotteshaus. Am Freitag, 9. September, wird in dem Gebäude erstmals wieder Gottesdienst gefeiert - ein Shabat-Gottesdienst mit Annette Willing ab 18 Uhr.

Durch Putz verschandelt: Die Felsberger Synagoge ist ein Sandsteinbau, und der Putz wird abgeklopft. Das wird nach den Worten des Vereinsvorsitzenden Christopher Willing eines der ersten der größeren Bauvorhaben.

Das hat Christopher Willing in einem Gespräch mit der HNA angekündigt. Der Diplom-Ingenieur für Tief- und Wasserbau ist Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Synagoge und Vorsitzender der jüdischen liberalen Gemeinde Emet we Shalom - Wahrheit und Frieden - Nordhessen.

Willing kämpft seit Jahren für das Ziel, die ehemalige Synagoge wieder zu dem zu machen, was sie mal war. Die Stadt Felsberg hat das Gebäude gekauft, der Verein hat es auf 66 Jahre gepachtet.

Die Synagoge wird nach den Worten Willings wieder Synagoge und ein Dokumentationszentrum für jüdisches Leben. Sie werde auch eine Begegnungsstätte für Juden, Christen und Muslime. Die Evangelische Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger ist von Anfang an Mitglied. Zurzeit hat der Verein 45 Mitglieder.

Der Verein will auch das Robert-Weinstein-Haus an der Obergasse sanieren, um es künftig für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu können. Geplant ist auch ein Jugendgästehaus und eine Künstlerresidenz. Die Künstler sollen einige Wochen in Felsberg leben und mit interreligiösem Bezug arbeiten. Der SPD-Mann und stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Robert Weinstein war am 8. November Opfer des Judenpogroms in Felsberg. Die Nazis hatten ihn auf die Straße getrieben, wo er starb. An diesem Abend zerstörten sie auch das Innere der Synagoge. Das Inventar verbrannten sie zur Wintersonnenwende im Dezember auf der Burgwiese, so ist es überliefert. Die Gesamtkosten für das Projekt Synagoge Felsberg werden auf 625 000 Euro geschätzt. 

„Wir haben bereits 260 000 Euro Fördergeld vom Land Hessen“, freut sich Christopher Willing. Auch die Hessische Denkmalpflege habe Geld in Aussicht gestellt. Über 40 000 Euro seien bisher gespendet worden. Willing ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass wir das fehlende Geld in den nächsten drei Jahren einwerben.“

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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