Vorwürfe mit schweren Vergehen

Feuerwehrchef soll aus Dienst entlassen werden

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Verrußt: Die Felsberger Wehr in einem Haus in Neuenbrunslar im Jahr 2010.

Felsberg. Hartmut Wagner, der Wehrführer der Stadt Felsberg, soll entlassen werden. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Magistrat der Stadt als Dienstherr und dem Ehrenbeamten sei zerrüttet, heißt es aus Feuerwehrkreisen.

Für die Entlassung aus dem Ehrenamtsverhältnis sind unter anderem Anhörungen des Betroffenen, des Feuerwehrausschusses und der Einsatzabteilung notwendig. Diese fand am Dienstag statt, und die meisten Mitglieder der Einsatzabteilung sollen Wagner ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Viele Mitglieder der Einsatzabteilung kündigten an, diese zu verlassen, falls der Wehrführer entlassen werde.

Eine Kommune dürfe nicht erpressbar sein, sagt dazu Werner Bähr, Kreisbrandinspektor und von der Brandschutzaufsicht. Da man um die Situation in Felsberg wisse, habe es bereits Gespräche gegeben, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. „Der Stadtbrandinspektor ist für die Einsatzbereitschaft und die Ausbildung verantwortlich, und die Stadt muss sicherstellen, dass die Hilfsfrist von zehn Minuten eingehalten wird“, sagt Bähr. Es gebe zum Beispiel die Möglichkeit, dass andere Ortsteilwehren auf den Felsberger Feuerwehrfahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Übergangszeit müsse schnell organisiert werden, um Qualitätseinbußen bei Einsätzen zu minimieren. Die seien aber nicht grundsätzlich auszuschließen.

Die Entscheidung des Magistrats steht jetzt aus: „Die formellen Anhörungen sind abgeschlossen“, bestätigt Volker Steinmetz, Felsbergs Bürgermeister. Zum Inhalt der Anhörungen und Stand des Verfahrens könne er wegen des Vertrauensschutzes gegenüber den betroffenen Personen und dem schwebenden Verfahren aber nichts sagen.

Der HNA liegt die Liste der vorgeworfenen Dienstverfehlungen vor. Sie umfasst mehr als 30 Vorwürfe mit zum Teil schweren Vergehen, die bis ins Jahr 2000 zurückreichen.

Dabei soll Wagner, der seit 1999 Wehrführer ist und als Berufsfeuerwehrmann tätig ist, mal ohne Schutzkleidung bei Einsätzen dabei gewesen sein, ein anderes Mal Vorgesetzte beleidigt haben, die Mitglieder der eigenen Wehr, mit dem unrichtigen Verweis fehlender Plätze, nicht zu Schulungen angemeldet haben und mehrfach Hierarchien nicht eingehalten haben.

Die Stadtteilwehren aus Lohre, Niedervorschütz, Brunslar, Wolfershausen und Böddiger haben im März 2012 in einer Erklärung zum Ausdruck gebracht, dass der Felsberger Wehrführer mit regelmäßigen Missachtungen der Feuerwehrdienstvorschriften und eigenmächtigem Handeln eine Zusammenarbeit in Frage stelle.

Hartmut Wagner bedauerte gegenüber unserer Zeitung die Entwicklung. Wegen des schwebenden Verfahrens könne er sich aber nicht direkt zu den Anschuldigungen äußern, habe dies aber ausführlich in der Anhörung getan.

Vertrauen unabdingbar

„Das Vertrauensverhältnis spielt im Einsatzgeschehen eine enorme Rolle, und alle hierarchischen Strukturen müssen eingehalten werden“, sagt Winfried Becker, Erster Kreisbeigeordneter und Dezernent beim Landkreis. Alles andere könne den gesamten Einsatz gefährden.

Das Anhörungsverfahren läuft seit Frühjahr, die Entlassung eines Ehrenbeamten in der Feuerwehr ist im hessischen Brand- und Katastrophenschutzrecht geregelt.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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