Seit 1947 Kirmes in Schrecksbach: Traditionen seit über 60 Jahren im Mittelpunkt

Fest nach alter Väter Sitte

Damals: Diese Aufnahme von der Schrecksbacher Kirmes stammt aus dem Jahr 1920, vermutlich wurde die fröhliche Truppe vor der Losemühle aufgenommen. Fotos: 1 nh/1 Rose

Schrecksbach. „Alleweil ist Kirmeszeit“ – diesen Spruch pflegen die Schrecksbacher Burschen seit 1947. Und nicht nur das: Traditionen und Bräuche stehen auch nach 63 Jahren noch im Mittelpunkt des Volksfestes, das am kommenden Wochenende in Schrecksbach gefeiert wird.

Schon in den 1920er-Jahren traf man sich an der Losemühle zum gemütlichen Beisammensein.

Wenig zu feiern hatten die Menschen während des Krieges. 1947 belebten junge Männer die Tradition wieder. Aus Rücksicht auf die Landwirte des Dorfes, die bis in den Herbst die Ernte einbrachten, plante man die Kirmes stets für den Oktober – bis heute.

„Die Lehrer hatten gegen die Burschen nichts zu melden.“

Tobias John

Von Generation zu Generation weitergetragen wurden die Bräuche. So trafen sich die Burschen in der Nacht von Donnerstag zu Freitag zum Ständchenspielen bei Mondenschein. Fand das Fest zunächst im Saal des alten Dorfgemeinschaftshauses statt, trafen sich die Dorfbewohner später im Gasthaus Simon. Seit dem Bau der Mehrzweckhalle wird im Saal gefeiert.

Donnerstags stiegen die Burschen auf den Bierwagen. Den geschmückten Leiterwagen zogen vier Pferde, begleitet von zwei Reitern. Verpflichtend für alle Burschen war die Schwälmer Tracht. Die galt es schon damals stolz zu präsentieren: Das Wechseln der Kleidung – etwa wegen Beschmutzung – stand unter Strafe. „Das Gesicht des betreffenden Burschen wurde mit schwarzer Farbe beschmiert“, erzählt der Vorsitzende Daniel Platte.

Auch die Schrecksbacher Kinder dürften der Kirmes entgegen gefiebert haben. Freitags traf sich die Burschenschaft, ging geschlossen zum Schulhaus und befreite die Kinder vom Unterricht. „Die Lehrer hatten gegen die Burschen nichts zu melden“, erläutert Tobias John vom Vorstand. Traditionell beging man im Dorf auch den sonntäglichen Frühschoppen. Wenn an diesem Tag der VFB Schrecksbach Fußball spielte, holte eine Musikkapelle die Kicker zum Schoppen ab.

Eher trauriger Natur war am Montag das Begraben der Kirmes – hinter der Halle loderte dazu ein Feuerchen. Seit 47 Jahren weiter gegeben wird das Rezept eines besonderen Kirmes-Schnapses. Der wird nur zum Volksfest ausgeschenkt und tags zuvor gebrannt. „Manche Familien ordern beim Ständchenspielen gleich eine ganze Flasche“, berichtet Daniel Platte. Kaufen kann man den Hochprozentigen nicht, er wird von den Burschen verschenkt.

Bis heute nur Männer

Bis heute besteht die Burschenschaft aus Männern. Die Truppe besteht aus 30 Leuten im Alter von 18 bis 49 Jahren. Erst mit der Volljährigkeit kann man Bursche werden: Zu Spitzenzeiten – in den 1960er-Jahren – gab es sogar ein Aufnahmestopp.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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