Festival der leisen Töne: Heiße Feuerspiele im kalten Waldstück

Habichtswald. Kuschelig warm wurde es am Samstag beim Fest der leisen Töne eigentlich erst zum Schluss, als die Künstler der Feuershow Etnoki Mondo ihre atemberaubenden Feuerbilder ins Dunkel der Nacht malten und das Höllchen mit riesigen Flammen in ein magisch anmutendes Licht tauchten.

Angetrieben von erdigen Trommelrhythmen und dem beschwörenden Klang des Didgeridoos, lieferten Désirée Schulte, Michael Kreiker und Alex Hofmann damit jene Temperaturen, die dem beliebten Höllchenfest ansonsten der Spätsommer beschert.

Nicht aber in diesem Jahr, was der Grund dafür gewesen sein mag, dass nicht ganz so viele Besucher wie sonst rauf ins oberhalb von Dörnberg gelegene Waldstück kamen, um den leisen Tönen zu lauschen.

Es war ja auch im Vorfeld nicht zu erahnen, dass schon die erste Band des Abends mit voller Wucht gegen die herbstlich-frischen Temperaturen ansingen würde. Zwei Stimmen, eine Gitarre: Wulli Wullschläger und Sonja Tonn erzählen in ihren Liedern Geschichten über Liebe, Begegnungen und den ganz normalen Wahnsinn des Musikerlebens. Ihre Herzen schlagen im gleichen Rhythmus, was die Habichtswalder bei der geballten Mixtur aus Power und Gefühl schnell zu überzeugen wusste.

Musikalisch, aber nicht stimmlich zurückgenommener, entführten die Black Harmonists a Capella in längst vergangene Zeiten, bevor das Paul-Simpson-Projekt den musikalischen Höhepunkt setzte. Bernd Paul und Jennifer Simpson verstehen es einfach, in minimalistischer Besetzung gleichermaßen Eigenkompositionen und interessante Songinterpretationen aus den Bereichen Blues und Akustik-Folk/Rock einfühlsam und doch voller Dynamik in die Welt zu schicken. Simpsons einmalige Stimme streichelt die Zuhörer dabei seelenvoll sanft mit leisem Lächeln, um im nächsten Augenblick kraftvoll und dynamisch jeden Song zu ihrem eigenen zu machen.

Berührend auch, wie immer, die zauberhafte Band Wasteland Green aus Berlin, die seit ihrem letzten Auftritt im vergangenen Jahr nichts an Charme eingebüßt hat und sich diesmal mit Paula Tebbens und Tobias Kummetat musikalische Unterstützung mitgebracht hatte. Mit süßen Songperlen irgendwo zwischen Folk, Pop, Jazz und Country lieferten Susanne Werth und ihre Kollegen wieder einmal jene leisen Töne, die nirgendwo besser passen könnten als beim Habichtswalder Kultfest.

Ganz anders als It’s M.E., die mit ihrem rauen Blues, Soul, Jazz, Pop und Rock eigentlich besser in einen verrauchten Liveclub passen würden, dennoch aber gut ankamen. Es ist eben die musikalische Vielfalt, die bei den Besuchern des Tönefests ankommt, sicher auch im nächsten Jahr, dann bei hoffentlich sommerlichem Wetter.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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