Prozess platzt vor dem Amtsgericht: Versicherungsbetrug durch Brandstiftung?

Mit Feuer gegen Wasser

Schwalmstadt. Wasser mit Feuer bekämpfen wollten augenscheinlich ein 53-jähriger Mann und seine ebenfalls 53-jährige Frau, die inzwischen in den Landkreis Marburg-Biedenkopf umgezogen sind. Die Beweislage über den Vorfall vergangenes Jahr war erdrückend und schien eindeutig.

Vier Sachverständige warteten mit dicken Aktenordnern am vor dem Verhandlungssaal im Amtsgericht Treysa. Zum Tatzeitpunkt bewohnten die Angeklagten gemeinsam mit ihren Kindern ein Fachwerkhaus im Altkreis Ziegenhain. Im Laufe der kurzen Verhandlung kam heraus, dass das Paar schon häufiger verschiedene Versicherungen wegen Wasserschäden in Anspruch genommen hatte. Als es vermutlich durch eine defekte Heizungsanlage im März 2013 wieder zu einem großen Wasserschaden in dem Gebäude gekommen war, hatten die Hauseigentümer daher wenig Hoffnung auf eine Übernahme des Schadens. In dieser Situation kamen sie, so der Vorwurf des Staatsanwalts, auf die Idee, das Haus anzuzünden, um den Wasserschaden als Brandschaden zu deklarieren. Insgesamt verlangte das Paar von der Versicherung 35.000 Euro.

Laut der Anklageschrift sollen die beiden Hauseigentümer an zwei Stellen im Haus Feuer gelegt haben. Die alarmierte Feuerwehr löschte den Brand rasch, entdeckte dabei wohl auch die leckende Heizungsanlage und brachte damit den Stein ins Rollen. Sehr schnell machten die Brandursachenermittler der Polizei Brandstiftung für den Ausbruch des Feuers um die Mittagszeit verantwortlich.

Beide Angeklagten stritten die Tat ab, für den Staatsanwalt handelte es sich dagegen um einen klaren Fall von Versicherungsbetrug.

„Das es Brandstiftung war, steht ja wohl fest“, befand der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn und appellierte an das Paar, ein Geständnis abzulegen. Danach unterbrach er die Sitzung, um den Verteidigern die Möglichkeit für ein Rechtsgespräch mit ihren Mandanten zu geben.

Nach einer knappen halben Stunde kamen die Angeklagten und ihre beiden Anwälte in den Sitzungssaal zurück. „Wir haben lang und teilweise heftig diskutiert“, erklärte der Anwalt des Mannes, beide Angeklagten lehnten aber ein Geständnis ab.

Damit war der Prozess geplatzt: „Ich beantragte, aufgrund der Unzuständigkeit des Amtsgerichts, das Verfahren an das Landgericht Marburg zu verweisen“, so die unmittelbare Reaktion des Staatsanwalts.

„Die Strafgewalt eines Schöffengerichts reicht nicht aus“, erklärte der Vorsitzende Richter in Anbetracht der Sachlage und stellte aufgrund der zu erwartenden Strafhöhe im Falle einer Verurteilung die Nichtzuständigkeit des Amtsgerichts fest.

Damit geht die Verhandlung nach dem Strafgericht und dem Schöffengericht Schwalmstadt in die nächste Runde: Angeklagte, Verteidiger, Staatsanwalt, drei Zeugen und vier Sachverständige werden sich schon bald vor der Strafkammer des Landgerichts in Marburg wiedersehen.

Der Richter unternahm zum Schluss noch einen letzten Versuch: „Bilden Sie sich ein, Sie kommen mit einem Freispruch da raus?“, versuchte er den beiden Angeklagten ins Gewissen zu reden – aber auch dieser letzte Appell prallte an dem Pärchen ab wie Wasser.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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