Der Meteorit von Rommershausen war eine wissenschaftliche Sensation

Feuerball fegte vor knapp 100 Jahren über die Schwalm

Ordentlicher Brocken: Ingolf Schuster zeigt im Museum der Schwalm in Ziegenhain die originalgetreue Nachbildung des Kometen von Rommershausen. Archivfoto:  Köcher

Schwalmstadt. Ein Meteoriteneinschlag hat im Ural hunderte Menschen verletzt, für den Abend war der Vorbeiflug des 400.000 Tonnen-Asteroiden an der Erde berechnet. Auch die Schwalm erzitterte vor knapp 100 Jahren durch einen starken Einschlag.

Am 3. April 1916, 3.25 Uhr, ging er bei Treysa nieder und zog in der Folge zahlreiche Wissenschaftler von Rang und Namen in die Schwalm. Dem Marburger Professor Alfred Wegener gelang, was bis dahin kaum einem Wissenschaftler geglückt war: die Bahn eines auf die Erde aufgeschlagenen Meteoriten genau zu berechnen und anhand dieser Berechnungen die Aufschlagstelle zu lokalisieren.

Wegener ist übrigens auch der Schöpfer der Kontinentalverschiebungslehre.

Er hatte erst im April 1916 von der astronomischen Begebenheit um die „Feuerkugel“ erfahren, die mit starkem Donner niedergegangen sein sollte und über viele Wochen in aller Munde war.

Aufrufe in Tageszeitungen führten zu Beobachtungsaufzeichnungen, die Wegener den Weg in die Schwalm wiesen, wo Menschen in einer Vielzahl von Orten von Gilserberg bis in den Raum Neukirchen nach ihren Beobachtungen befragt wurden.

Beschrieben wurde im weiten Umkreis die gewaltige Detonation und die blitzartige Aufhellung der Landschaft. Die Form des detonierenden Meteors wurde von der Schwälmer Bevölkerung als glänzende Kugel, Feuerkugel, kleiner werdende Feuerkugel, Feuerklumpen, Scheibe, hellbrennender Kohlenklumpen und meistens als Feuerball bezeichnet. Die Gestalt sei nicht rund, sondern eiförmig und gezackt gewesen, wie ein kleiner oder großer Stern mit strahlenförmigen Spitzen beziehungsweise ähnlich einer Fackel. Manche beschrieben einen Pfeil, einen Drachen, eine Granate oder einen keulenförmigen Flugkörper.

Die eigentliche Überraschung für Wegener enthielten die Berichte des Lehrers Corell aus Loshausen, eines Mädchens und eines Jungen aus Schlierbach und des Bruchmeisters vom Steinbruch an der Landsburg, die übereinstimmend berichteten, dass sie nach dem Erlöschen des Meteoriten diesen als schwarzen Körper schräg zur Erde hätten weiter fliegen sehen und zunächst für einen Habicht gehalten hätten. Diese Aussagen bewiesen die Richtigkeit von Wegeners Annahme, dass der erloschene Meteorit auf den Erdboden aufgeschlagen sein musste.

Förster erhielt Belohnung

Obgleich es länger dauerte als Wegener erwartet hatte, wurden seine Angaben voll bestätigt. Mitten in die Drucklegung seiner Schrift „Das detonierende Meteor vom 3. April 1916, 31/2 Uhr nachmittags in Kurhessen“, Anfang 1917, erhielt Wegener die Nachricht vom Auffinden des gesuchten Objektes nur etwa 1,5 Kilometer von seiner berechneten Aufschlagstelle entfernt, westlich des Todenbachs in der Dickshege des Rommershäuser Waldes zwischen Frankenhain und Einrode.

Förster Huppmann, der den Meteor in einem Krater von einem Meter Durchmesser in 1,5 Meter Tiefe fand, erhielt die ausgesetzte Belohnung von 300 Mark für den 63,28 Kilogramm schweren Eisenmeteoriten von 24 bis 36 Zentimetern Durchmesser. (aqu)

Text nach Dankward Sieburg, Schwälmer Jahrbuch 1980

• Dieser Text ist eine sehr stark gekürzte Version des verstobenen Historikers Dankward Sieburg. Er erschien im Schwälmer Jahrbuch 1980. Darauf aufmerksam machte uns gestern aufgrund der aktuellen Ereignisse Hans Prinz (Ziegenhain), vielen Dank!

Quelle: HNA

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