23-Jähriger hatte mehrfach in Treysa Altpapiertonnen angesteckt

Feuerteufel muss für 18 Monate hinter Gitter

Marburg/Schwalmstadt - Sein umfassendes Geständnis bewahrt einen 23-jährigen berufs- und beschäftigungslosen Mann nicht vor einem längeren Gefängnisaufenthalt. Jedoch milderte das Marburger Landgericht in der Berufungsverhandlung am Donnerstag das Urteil des Schöffengerichts Schwalmstadt um ein halbes Jahr ab.

Das Schöffengericht hatte im Frühsommer für Brandstiftung, versuchte Brandstiftung und Sachbeschädigung zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung für angemessen erachtet. Seinerzeit hatte sich der Angeklagte, der aus dem Altkreis stammt, nicht zu den Tatvorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert.

Anfang April 2010 hatte der 23-jährige in den frühen Morgenstunden in Treysa einen Holzschuppen, der unmittelbar an das Burgtheater-Kino angrenzt, angezündet. Kurz danach setzte er drei Altpapiertonnen, die dicht am Europabad in Treysa standen, in Brand. Dabei entstand im Eingangsbereich zur Sauna erheblicher Sachschaden. Kurz danach danach hatte er an einer weiteren Altpapiertonne nahe Hephata gezündelt. In der Nacht vom 24. auf den 25. April schlug der Feuerteufel erneut zu, diesmal auf dem Friedhof in Treysa. Wiederum zündete er eine Altpapiertonne an, dabei wurden ein Baum und eine Grabstätte beschädigt.

Kurze Zeit später brannte eine weitere Altpapiertonne in der Nähe des Dänischen Bettenlagers in Treysa. Auch dort entstand erheblicher Sachschaden am angrenzenden Gebäude.

Der Angeklagte, der aus zerrütteten Familienverhältnissen stammt, nannte seine Alkohol- und Drogensucht als mögliche Gründe für seine Brandstiftungen. Er befindet sich bereits seit geraumer Zeit zur Verbüßung einer Ersatzfreiheitsstrafe (für nicht geleistete Geldstrafe) und daran angeschlossene U-Haft im Gießener Gefängnis und wurde deshalb in Handschellen zur Verhandlung vorgeführt.

Bereits mit 14 Jahren habe er zum ersten Mal eine Alkoholvergiftung gehabt, berichtete er. „Den Grund, warum ich das gemacht habe, kann ich mir selbst nicht richtig erklären“, beteuerte er. Eine Alkohol- und Drogentherapie hatte er bereits schon einmal begonnen, war aber wieder rückfällig geworden und hatte sie deshalb abgebrochen. „Ich bin aber definitiv Willens, eine neue Therapie und auch eine Ausbildung zu beginnen“, beteuerte er seine Bereitschaft zur Besserung.

Allerdings wertete Richter Dr. Carsten Paul lediglich das Geständnis des mehrfach einschlägig vorbestraften jungen Mannes als strafmildernd. Eine Willenserklärung zur Aufnahme einer Therapie bezeichnete er als nicht ausreichend. „Da hätte im Vorfeld der Verhandlung schon mehr kommen müssen“, so Dr. Paul.

Auch weil der junge Mann die Taten in einer laufenden Bewährung begangen hatte kam für den Richter eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung nicht in Betracht. Der 23-jährige nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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