Feuerwehren Ziegenhain in Hessen und Sachsen sind seit 26 Jahren Partner

Fachsimpelten über Feuerwehrtechnik: von links Wolfgang Haldorn, Klaus Model, Lothar Möhler, Helmut Lotz und Siegfried Thiel. Fotos:  privat/Repro Haaß

Seit 26 Jahren sind die Feuerwehren aus Ziegenhain in Hessen und Ziegenhain in Sachsen verpartnert. Feiern wollen das die Brandbekämpfer am Samstag, 27. August. Ursprünglich war schon im vergangenen Jahr eine Jubiläumsfeier geplant, die dann aber wegen mehrerer Trauerfälle verschoben wurde.

Feuerwehrleute sind ein besonderer Menschenschlag, dessen sind sich die Mitglieder beider Wehren einig. Wenn es um Brandbekämpfung und technische Hilfe geht, sprechen sie über Ländergrenzen hinweg dieselbe Sprache. Das erlebten die Ziegenhainer auch vor 26 Jahren. Schnell war das Eis zwischen Hessen und Sachsen gebrochen. Schriftführer Karl Heinrich Schwalm kann sich noch gut an das erste Treffen in dem etwa 40 Kilometer westlich von Dresden gelegenen kleinen Ort erinnern: „Wir dachten, Mensch, hier sind wir richtig.“

Postkarte von 1881

Bereits kurz nach der Grenzöffnung 1989 hatten sich die Ziegenhainer auf die Suche nach einer Partnerschaftswehr in Ostdeutschland gemacht. Auf Anregung von Klaus Model - damals Vorsitzender des Feuerwehrvereins - fiel die Wahl schließlich auf Ziegenhain in Sachsen. Aufhänger sei eine Postkarte von 1881 gewesen, die an den Schafhof adressiert war, aber irrtümlich nach Sachsen ging: „Wir haben dann mit einem Brief den ersten Schritt gemacht.“ Nach Briefwechseln überquerten Klaus Model, Helmut Lotz, Wolfgang Haldorn und Karl Heinrich Schwalm am 4. Mai 1990 mit einem grauem Mercedes Kombi bei Herleshausen die Grenze. „Als Begrüßungstrunk hatten wir 50 Liter Bier und eine Zapfanlage im Kofferraum“, erzählt der ehemalige Wehrführer Lotz.

Diente der erste Besuch noch dem Kennenlernen, entwickelte sich in den folgenden Jahren eine rege Freundschaft. Bis heute gibt es jährliche Treffen, wechselseitig in Hessen und Sachsen. Wenn Besonderes anstehe, auch öfter, betont der Vorsitzende der Schwalmstädter Stadtteilfeuerwehr Hans-Jörg Keller.

Nicht nur die Älteren pflegen die Partnerschaft: 2012 machte sich die Jugendfeuerwehr auf den Weg zu einem Seifenkistenrennen. In den Anfangsjahren habe man die ostdeutschen Kameraden auch mit Feuerwehrausrüstung unterstützt, berichten die Ziegenhainer. So konnte das ausgemusterte Löschgruppenfahrzeug der Feuerwehr Niedergrenzbach auf Initiative von Wolfgang Haldorn in Sachsen noch wertvolle Dienste leisten.

Spenden nach Hochwasser

Als das sächsische Ziegenhain von Hochwasser heimgesucht wurde, organisierten die Hessen Spendensammlungen. Ossi oder Wessi, das sei nie Thema gewesen, sagt der stellvertretende Vorsitzende Hans-Joachim Barwe. Es hätten sich Freundschaften entwickelt. Bis heute sind die Hessen von der Weite der sächsischen Landschaft und der Herzlichkeit der Menschen beeindruckt. Barwe bringt die Patenschaft auf den Punkt: „Es ging und geht darum, einen Einblick in Land und Leute zu bekommen.“

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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