Irritation um Kirchenfenster in Pfieffe: "Da ist ja der Hitler drauf“

Teil des Ostfensters in der Kirche Pfieffe: Die Figur oben links schaut vom Haarschnitt, Oberlippenbart und Kleidung Hitler ähnlich. Foto: Grugel

Pfieffe. „Da ist ja der Hitler drauf.“ Das sagen Erwachsene mit erschrecktem Zögern und Konfirmanden unverblümt, sobald sie in der evangelischen Kirche Pfieffe unvorbereitet aufs Ostfenster schauen, schrieb 1998 der frühere Pfieffer Pfarrer Christof Hartge in einer Festschrift.

Anlass war die Einweihung der damals frisch renovierten Kirche. In der Tat irritiert bei einem Besuch der kleinen Dorfkirche die Figur ganz oben links im dreiteiligen Ostfenster. Haarschnitt, Oberlippenbart und braune Kleidung erinnern an den Diktator. Aber: „Ob tatsächlich Hitler wiedergegeben werden sollte, kann ich nicht bestätigen“, sagt Dr. Annette Jansen-Winkeln von der Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts mit Sitz in Mönchengladbach.

Außergewöhnliches Glasbild

Die Forschungsstelle beurteilt das Glasbild als außergewöhnlich. Nicht untypisch für die 1930er Jahre sei die realistische Darstellung der Gesichter. Jansen-Winkeln: „Ich kenne etliche Fälle, in denen Künstler die Dorfbevölkerung herangeholt haben, um diese zu porträtieren und in die biblische Szene einzufügen. Hierzu gehört auch die Darstellung der Menschen in der zeitgenössischen Kleidung.“

Kunst mit Bezug zum Diktator Hitler: Wandmalerei aus der Eifel mit einer Szene aus dem Vaterunser: Führe uns nicht in Versuchung. Foto: Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei/privat

Der Künstler selbst ist bei der Forschungsstelle unbekannt. Auf den Internet-Seiten des Kirchenkreises Melsungen wird Volker Fabricius angegeben. Der soll nach Recherchen von Pfarrer Christof Hartge 1908 geboren und 1940 im Krieg gefallen sein. Der einst in Pfieffe und heute in Altwildungen tätige Theologe sammelte Informationen zum Fenster und veröffentlichte sie. Dabei spricht er von einer Fülle irritierender Elemente und schreibt: „Es ist keineswegs zwingend, darin Hitler zu erkennen, das Bild legt es aber nahe.“

Bei der Glaserei Volland in Iserlohn-Oestrich überrascht eine Beschreibung des Pfieffer Glasbildes nicht. Selbst Soldaten mit Stahlhelmen habe man bei Kriegsfenstern schon gesehen, berichtet dort Restaurator Johannes Plötzgen. Die Bedeutung der Kunst aber bleibt diffus. Mal sollen sich Einzelpersonen in den Bildern verewigt haben. Mal sollen Sponsoren Einfluss genommen haben. Mal sollen Künstler Widerstand ausgedrückt haben.

Gleich zwei Diktatorengesichter – von Hitler und Mussolini – hat der Maler Albert Birkle Anfang der 1950er Jahre in ein Kirchenfenster der Grazer Stadtpfarrkirche eingearbeitet. Der Künstler war damals noch sehr nahe an den Schrecken des Krieges und hat die Passion in einem Detail aktualisiert, schreibt die Stadtpfarrei dazu in einem Info-Blatt für Besucher. Unter denen, die den dornengekrönten Jesus verspotteten, habe er auch zwei der Hauptverantwortlichen der Gräuel des Zweiten Weltkrieges dargestellt. So bringe der Künstler zum Ausdruck, dass in der Passion Jesu auch die Leiden all jener gegenwärtig seien, deren Leben Gewalt angetan worden sei und werde. (lgr)

Quelle: HNA

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