Kunstwerke aus Eisen: Hüttengeschichte Schönsteins reicht weit zurück

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Erinnerungen an die einstige Eisenhütte: Heide von Ritgen und Schönsteins scheidender Ortsvorsteher Fritz Gatzke vor einem gusseisernen Schild des ehemaligen Hüttenwerks.

Viele Zeugnisse berichten noch in Gilserberg-Schönstein von der Eisenverhüttung.

Namen sind es, an denen Walter Merle sein Buch „400 Jahre Hüttengeschichte“ festmacht - und die eine Vielzahl an Nachrichten und Informationen über die Geschichte und Geschichten Schönsteins liefern.

Gusseiserne Holzöfen, die in der Eisenhütte gegossen wurden und noch heute so manches Wohnzimmer zieren, die Teufelsbrücke im Bergpark Wilhelmshöhe oder eine Wappentafel am Landgrafenschloss Eschwege zeugen von dem einstigen Eisenhüttenbetrieb.

In Schönstein selbst erinnern noch der Schornstein des ehemaligen Hochofens neben einigen Ruinen und Wohngebäuden an die Hütte. Ortsvorsteher Fritz Gatzke begleitete uns zur ehemaligen Eisenhütte, wo heute Familie von Ritgen lebt.

„Der erste Mann meiner Großmutter , Adolf Schneider, hat das hier gekauft“, berichtet Heide von Ritgen, die als kleines Kind nach dem Krieg hierher zog. Sie kann sich noch erinnern, wo die Mauern der Hüttenhalle einst entlang gingen.

Heute sind nur noch Ruinen des ehemaligen Hochofens erhalten, in dem das Eisen zur weiteren Verarbeitung geschmolzen wurde. Treppen- und Brückengeländer, Bügeleisen, Fensterrahmen, Herde und kunstvolle Ofenplatten wurden hier gegossen.

Eine dieser historischen Eisenplatten mit dem Hinweis auf Rommershausen hängt bei von Ritgens über dem Kachelofen. Auch ein altes Schild von der Eisenhütte Schönstein ist noch von dem ehemaligen Hüttenwerk übrig geblieben, aus der Zeit nach 1843, als sich die Gemeinde Schönstein aus dem Dorf Rommershausen gebildet hat. Knapp sechshundert Jahre zuvor, 1248, war Rumershausen als Dorf des Erzstifts Mainz gegründet worden.

Gusseiserne, filigran verzierte Fensterrahmen an einem Wirtschaftsgebäude, der ehemaligen Schreinerei des Hüttenwerks, zeugen noch von der Eisenkunst, die hier entstand.

Auch am gegenüber auf der anderen Straßenseite gelegenen länglichen Wohngebäude, dem ehemaligen Magazin des Hüttenwerks, erinnern noch gusseiserne Fensterbeschläge an die Hüttentradition. Pferde und Kutschen, die für den Transport der Eisensteine benötigt wurden, waren hier nach Angaben von Heide von Ritgen untergebracht.

„Die Straße, die heute nach Densberg führt, verlief zu Zeiten des Hüttenwerks hier nicht“, erklärt Fritz Gatzke. Die Verbindung bildete früher der Eisenhammerweg, der damals von Schönstein aus vorbei an der Nordemühle zum Eisenhammer führte, wo das Eisen der Hütte geschmiedet wurde.

Von dem ehemaligen Hammerwerk sind heute nur noch das Herrenhaus und eine Scheune stehengeblieben, in der bis 1974 die dann aufgelöste Oberförsterei Schönstein untergebracht war. „Von der Hütte“ werden die Schönsteiner mancherorts aber bis heute genannt. (zdk)

Quelle: HNA

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