Lernprojekt: Schüler stellen in eigener Firma Produkte her

Mit Filz und Fleiß

Mit Fingerspitzengefühl: Luka Kehr arbeitet an der Nähmaschine für die Schülerfirma. Fotos:  Nickoll

Ziegenhain. Jeder der 23 Mitarbeiter der Firma „Filzgut“ arbeitet an einer anderen Baustelle: Aliescha Küllmer und Hanna Lütjens kümmern sich um die Finanzen und die Buchhaltung. Fabian Kitz und Felix-Luca Weitzel entwerfen Flyer, die dann 200 Mal gedruckt und in Geschäften in Ziegenhain ausgelegt werden. „Wir sind gut in der Zeit. Wenn heute jemand kommt und sagt, dass er unsere Produkte morgen verkaufen will, machen wir zur Not auch Überstunden“, sagt Uwe Dippel, Lehrer und Projektleiter des Schulunternehmens.

Im Oktober hat Dippel die Schulfirma namens Filzgut zusammen mit einem anderen Lehrer, zwei Sozialpädagoginnen und 23 Schülern gegründet. Die Schüler besuchen zwei Eibe-Klassen. Eibe steht für das EU-Programm „Zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt“, das Jugendlichen den Einstieg durch sozialpädagogische Betreuung erleichtern soll.

Bei der Organisation von der Buchführung über die Kundenakquise wird die Schule vom Programm Junior-Kompakt unterstützt (siehe Hintergrund). Vom Startkapital sind noch 20 Euro übrig. Viel Filz und andere Utensilien seien von dem Geld bereits gekauft worden.

„Das Hauptziel ist die Berufsorientierung, die Schüler sollen sich ausprobieren“, sagt Dippel. Produziert werden Handytaschen (7,50 Euro) und Schlüsselanhänger (2,50 Euro). „Es macht ihnen viel Spaß und man kann sich nicht besser beruflich orientieren, als ein Unternehmen zu gründen.“

Marktforschung mit Umfrage

Julian Hampel leitet das Marketing mit sechs Schülern. „Wir haben vor Beginn der Produktion eine Umfrage gemacht und 100 Menschen gefragt, welche Handytaschen sie kaufen würden“, so der 17-Jährige. Anschließend wurden Prototypen hergestellt: Erst aus Papier, dann aus Filz. Julian weiß schon, dass er Schreiner werden will.

Mit 75 Euro Startkapital hat Filzgut angefangen. „Eltern, Lehrer und Lehrkräfte haben Anteilsscheine gekauft“, so Dippel. Die Schule würde zwar zur Not etwas dazuschießen, „für die Einnahmen sind aber eigentlich die Schüler zuständig“.

25 Cent bekommen die Schüler pro Stunde. Ziel ist es, dass sie am Ende ausbezahlt werden können. Alles, was die Firma mehr einnimmt, geht an einen Selbsthilfeverein.

Bei der Suche nach Kunden war Filzgut schon erfolgreich: Der Seconhandladen Mopelhaus in Ziegenhain habe schon zugesagt, Filzgut-Produkte zu verkaufen. • Auf der Jobfit-Messe stellt sich Filzgut vor: Sie ist am 19. März, 8 bis 13 Uhr, in den Beruflichen Schulen, in den Gebäuden Dammweg und Hessenallee in Ziegenhain.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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