Firma aus Breuna kleidet ihre Kunden digital ein

Body Scanning CRM: So heißt das moderne Produkt aus Breuna. Unser Foto zeigt Techniker Oliver Niesner bei der Vermessung. Fotos:  Hoffmann

Breuna. Ein kleines, innovatives Unternehmen aus Breuna schickt sich an, den Dienstkleidungsmarkt zu revolutionieren: Die Logisch Consulting GmbH kleidet komplette Belegschaften digital ein.

Das heißt: Teams des Ingenieurdienstleisters und IT-Spezialisten fahren mit selbst entwickelten, mobilen Ganzkörper-Scannern zu Großkunden, vermessen die Beschäftigten und senden die biometrischen Daten online zu Textilfabriken, die die „maßgeschneiderten“ Kleidungsstücke anfertigen.

So geschehen beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, wo Logisch im Januar in zehn Tagen 6500 Mitarbeiter vermessen hat. Dabei ging es um etwa 20 Kleidungsstücke pro Person: vier Hosen, je zwei Sakkos, Westen und Krawatten, acht Hemden, ein Gürtel und Schal. Das reicht für zwei Jahre. Wer nicht stark zu- oder abnimmt, bekommt auf Grundlage der gespeicherten Daten eine neue Garderobe, sonst wird neu vermessen.

Diese Art der Beschaffung von Dienstkleidung spart nach Angaben von Logisch-Chef Andreas Schuwirth den Kunden nicht nur viel Zeit, sondern vor allem auch Geld. „Die Unternehmen haben keine teure Lagerhaltung und keine Retouren“, sagt der Elektroingenieur. Denn 30 bis 40 Prozent der auf herkömmlichem Weg bestellten Ware müsse zurückgesandt oder geändert werden.

Fraport ist nicht der einzige Kunde des Zwölf-Mann-Unternehmens. Auch die Schweizer Polizei lässt sich mit Hilfe der Breunaer einkleiden. Und weitere Aufträge winken: So will ein Textildienstleister 7000 Beschäftigte des Autozulieferers ZF digital ausstatten. Unternehmen aus der Luftfahrtbranche, eine Armee aus dem Mittleren Osten sowie Kunden aus Dänemark und den Niederlanden stehen bereits mit Breuna in Verhandlungen.

Der unscheinbare Körper-Scanner der XX Production Online GmbH sieht aus wie eine Sicherheitsschranke. Man geht aber nicht hindurch, sondern stellt sich rücklings an eine Säule. An der gegenüberliegenden Seite fährt ein Laser langsam herauf und herunter, vermisst mit einem roten Strahl binnen zweieinhalb Minuten den Körper, projiziert ihn auf einen Bildschirm und speichert die Daten ab. „Wir sind der größte Sammler biometrischer Daten“, sagt Geschäftsführer Andreas Schuhwirth.

Spart Zeit und Geld 

Logisch und XX Production Online verkaufen aber nicht nur ein Produkt, sondern einen ganzen Prozess: vom Vermessen über das Speichern und Verwalten von Daten sowie das Einpflegen derselben ins IT-System des Kunden bis hin zur Online-Bestellung. Für Schuwirth ist diese moderne Art des Kleidungskaufs zumindest für große Firmen die Zukunft. Nicht nur aus Kosten- und Zeitgründen. „Die Mitarbeiter repräsentieren Unternehmen und Institutionen, und funktionelle, attraktive, aber eben auch gut sitzende Kleidung und Uniformen fördern das Image“, sagt der 46-jährige Elektrotechniker.

Bei Berufsbekleidung in großen Stückzahlen will es Andreas Schuwirth aber nicht belassen. Er und sein Team arbeiten an Smartphone- und Tablet-Anwendungen zur Herstellung individualisierter Garderobe und Schuhe was Größen, Farben, Formen und Muster angeht. So soll künftig jedes denkbare Muster auf Kleidungsstücke aufgedruckt werden können. Hierzu arbeitet die Firma Logisch mit dem Bad Emstaler Profi-Drucker-Spezialisten Multiplot zusammen.

Mit einer weiteren Anwendung soll es bald möglich sein, individualisierte Handschuhe herstellen zu lassen. Dazu legt der Kunde/Träger seine Hand einfach auf ein Tablett, das selbige vermisst und digitalisiert. Perfekt sitzende Handschuhe sind beispielsweise für Polizei und Sicherheitdienste beim Einsatz von Waffen ein Muss.

Schuwirth und dessen Team wollen mittels Digitalisierung den Kauf individualisierter Textilien erschwinglich machen und halten die Rückverlagerung von Textilproduktionen etwa aus Asien nach Europa für möglich und wünschenswert. „Mit intelligenten digitalen Prozessen kann Europa auch preislich wieder wettbewerbsfähig werden“, sagt Schuwirth.

Seine Produkte und Geschäftsmodelle stoßen auch bei Investoren auf zunehmendes Interesse. Sie meldeten sich mittlerweile von selbst, sagt der Dörnberger.

Quelle: HNA

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