Produkte und Selbstbewusstsein made in Nordhessen

Firma Casselmania: "Der Nordhesse kann stolz sein"

Diese Idee hat Biss: Ivonne Rode und Manuel Klemm aus Dillich mit den Brettchen, Taschen und T-Shirts ihrer Firma Casselmania. Die sollen die regionale Identität stärken und das nordhessische Selbstbewusstsein steigern. Foto:  Brandau

Dillich. "Casselmania" - so heißt die Firma von Manuel Klemme und Ivonne Rode aus Dillich, mit der sie Produkte aus Nordhessen vermarkten und versuchen, regionale Identität zu vermitteln. Sie finden: Der Nordhesse kann stolz sein.

Er will die ganze Welt wissen lassen, wie schön Nordhessen ist. Wie einzigartig hier die Sprache klingt. Wie lecker hier das Essen ist. Wie hübsch hier Hügel an Hügel liegt.

Und Manuel Klemm lässt es tatsächlich die halbe Welt wissen: Der Inhaber der Werbeagentur ZeroBlues in Borken-Dillich hat die Firma „Casselmania“ gegründet. Und deren Produkte stehen allesamt für seine Heimat. Alle T-Shirts, Tassen, Brettchen, Messerchen, Taschen und Schals verkünden nur eine einzige Nachricht: Nordhessen ist super.

Manuel Klemm hat viele nordhessische Redewendungen für die Casselmania-Artikel gewählt. „Nu schigged‘s aber bahle“, beispielsweise steht auf der Jutetasche. Die Liste der flotten Sprüche ist lang. Darauf findet man „Sex, drugs and Ahle Wurscht“, „Proud to be a Nordhesse“ (Stolz, ein Nordhesse zu sein“), My home is my Cassel“ oder auch „Hier wird geschnuddelt, nit gebabbelt“.

Das alles liest sich witzig, hat aber auch einen ernsten Hintergrund: Es soll das Selbstbewusstsein der Nordhessen puschen. Denn das, sagen die beiden Dillicher, sei durchaus noch steigerbar.

Identität zeigen 

Gemerkt hat das der 41-Jährige, als er für ein paar Jahre im Saarland lebte. Dort spreche jeder Einwohner ganz ungeniert Dialekt - nur die Zugereisten nicht, und denen höre man das dann eben auch deutlich an, dass sie zugereist seien. In Nordhessen aber schämten sich die Menschen schon beinahe, wenn sie Pladde sprächen.

Gegen den Trend 

Klemm rudert mit seinen Ideen nun gegen diesen Trend. „Es ist wichtig und richtig, dass wir Nordhessen Identität zeigen“, sagt er. Und das tun die Casselmania-Produkte alle. Auf dem Messerchen, dessen Verpackung den Wald bei Stolzenbach zeigt, steht „Awwerrähmchen“. Und auf den Brettchen, die es im Sortiment gibt, ist über zwei gekreuzten Würsten „Hart und lecker“ zu lesen.

Das alles kommt gut an - vor allem in Kassel, dessen alte Schreibweise Pate für den Namen Casselmania stand. Aber es sind auch viele andere Faktoren, die der jungen Firma in die Karte spielen. „Das Lokaldenken hat sich verändert“, sind sich Manuel Klemm und seine Lebensgefährtin Ivonne Rode sicher. Beweise dafür seien zum einen die Kurhessenlädchen, die vor allem regionale Produkte verkaufen, und auch die Gründung der Grimmheimat Nordhessen, die ebenfalls die regionale Identität seigern will. Das alles zeige: Die Zeiten, in denen Nordhessen einen Anerkennungskampf gegen das übermächtige Südhessen austragen müsse, seien vorbei.

Witzige Mitbringsel 

Casselmania läuft gut. So gut, wie es sich Klemm und Rode nicht vorstellen konnten, als sie 2010 das Unternehmen gründeten. Damals kleckerten die ersten Bestellungen zögerlich ein: Heute kommt es vor, dass Klemm die halbe Nacht T-Shirts bedruckt. Die gibt es in vielen Farben, Formen, Größen. Und entpuppen sich als witziges Mitbringsel oder Geschenk, die am anderen Ende der Welt wohnen.

Die Zahl der Fotos, die Manuel Klemm und Ivonne Rode aus Australien und Amerika kommen, beweist das. Darauf sind Menschen am Ayers Rock oder am Empire State Building zu sehen, die in die Kamera gucken und strahlen. Auf ihrem Shirt steht dann meist: Proud to be a Nordhesse.

www.casselmania.de

Die Heimat in den Vordergrund rücken 

Grafikerin Ivonne Rode betreibt den Blog nordhessin.de, auf dem sie Rezepte und Ungewöhnliches sammelt. Auf ihren Seiten erkennt man schnell, woran die 34-Jährige ihren Spaß hat: am Fotografieren und am Backen.

„Ich will zeigen, was mir Freude macht“, sagt die Dillicherin. Es sei nicht ihr Anspruch, Geld damit zu verdienen - vielmehr wolle sie ihre Heimat in den Vordergrund zu rücken. „Ich mag die Menschen, die mag die Landschaft, lebe gerne in Nordhessen“, sagt sie. Ihr Blog wird gelesen. Das merkte sie, als sie eine Kundin beim Einkaufen erkannte. Das sei ein seltsames Gefühl gewesen, sagt sie. Aber so ist das eben in einer Region, in der sich die Menschen noch alle kennen.

Quelle: HNA

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