Firma aus Gleichen exportiert Technik für kanadische Felder

Gewaltige Silos für gewaltige Ernteerträge: In die kanadische Provinz Manitoba zu Torsten Stanze (links) exportierte Landmaschinen-Techniker Klaus Bräutigam (rechts) die von ihm entwickelte und gebaute Selbstfahr-Pflanzenspritze. Foto: privat

Gleichen. Technik aus der Region hilft kanadischen Landwirten: Wenn Thorsten Stanze (44) von der Morris-River-Farm bei Rosenort im kanadischen Manitoba seine Weizen- und Sojafelder düngen oder spritzen will, dann hat er damit eine Weile zu tun.

Die Fläche, die er zusammen mit seinem Vater bewirtschaftet, ist immerhin 2500 Hektar groß – das sind 25 Quadratkilometer oder etwa 2500 Fußballfelder. Für Kanada eine übliche Größe, für Nordhessen kaum vorstellbar: Das fand auch Klaus Bräutigam aus Gudensberg-Gleichen, der vor wenigen Tagen vom ersten Besuch auf der Morris-River-Farm zurück gekommen ist, nicht weit von Winnipeg entfernt.

Er war nicht als Tourist dorthin gereist, sondern als Experte für Landmaschinentechnik. Denn die Familie Stanze hatte eine selbstfahrende Pflanzenspritze, einen so genannten Hydrotrac, bei Bräutigams Firma in Gleichen gekauft, für die der Chef selbst die Einweisung übernahm.

„Wir bauen seit 1998 solche Fahrzeuge“, sagt Diplom-Ingenieur Klaus Bräutigam, der die Selbstfahrer auch entwickelte. Der Vorteil der Maschinen liegt darin, dass sie einen großen Tank haben und deshalb für große Flächen geeignet sind.

Maschinen dieser Art seien bisher in Kanada noch nicht weit verbreitet, für einen großen Betrieb, der nur von der Familie bewirtschaftet werde, aber sinnvoll, da ein Fahrer allein enorme Flächen bearbeiten könne, erläutert der Gleichener.

8000 Liter Flüssigkeit passen in den Tank des Hydrotrac, der immerhin 250 000 Euro kostet. Die Fahrerkabine erinnert an einen Mähdrescher, das Spritzgestänge ist hinter dem Tank angebracht und kann 21 bis 36 Meter breit ausgefahren werden, je nach Modell. Ins europäische Ausland, nach Polen, Rumänien, Ungarn, auch nach Holland hat der Gleichener Landmaschinenexperte seine Spritzen schon exportiert, aber über den Atlantik - das ist neu.

„Die Kanadier hatten unsere Maschine bei der Landtechnik-Messe Agritechnica in Hannover gesehen“, erzählt Bräutigam, der dann in der Folge eine Mail aus Kanada erhielt. Mit der Sprache gab und gibt es keine Probleme, denn die Stanzes sind erst vor 15 Jahren aus Deutschland ausgewandert. Die Landwirtsfamilie stammt aus der Region Braunschweig und hatte gepachtetes Land bewirtschaftet.

Auf der Morris-River-Farm leben die alten und die jungen Leute, der Juniorchef ist mit einer Kanadierin verheiratet, die Kinder wurden in Kanada geboren. „Sie haben mit deutschen Maschinen gute Erfahrungen gemacht“, sagt Klaus Bräutigam. Deshalb auch die Entscheidung für das Modell aus Nordhessen.

Wie es mit eventuellen technischen Problemen läuft, mit Gewährleistung und dem Service, das musste alles geklärt werden. Aber der Gleichener ist zuversichtlich, dass alles so gut läuft wie seine Selbstfahr-Spritze.

Quelle: HNA

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