Test zeigt Erfolg: Tiere nehmen neue Aufstiegsanlagen an

Fische im Fahrstuhl

Im Netz: Thomas Schmidt vom Ingenieurbüro Wagu präsentiert einen kurzzeitig gelähmten Flussbarsch. Foto: Ludwig

Schwalm. Fische lieben die neuen Fahrstühle. So in etwa funktionieren zumindest die vor einem Jahr gebauten Aufstiegsanlagen an der Schwalm, mit denen die Fische Wehre überwinden können. Beim Probefischen stellte sich nun heraus, dass die drei Anlagen in Allendorf/ L., Rommershausen und Willingshausen von den Tieren gut angenommen werden.

Wehre sind für Fische unüberwindbare Mauern. Deshalb wurden kleine Bachläufe angelegt, die wie eine Umleitung um das Hindernis funktionieren. In einem künstlich angelegten Bachlauf können die Fische stromaufwärts auf die andere Seite des Wehres gelangen.

Als Thomas Schmidt vom Kasseler Ingenieurbüro Wagu, das die Aufstiegsanlagen gebaut hat, beim Probefischen an der Allendorfer Mühle einen Gründling in seinem Kescher hat, ist die Freude groß. Denn wenn es der kleine Gründling mit dem Gegenstrom im Bachbett aufnehmen kann, dann schaffen es auch die anderen Arten.

Viel Erfahrung bei Bau nötig

Damit alle Arten in der Umleitung um das Wehr wandern können, ist viel Erfahrung nötig. Ist die Strömung zu stark, sind also zu wenig Steine im Bachlauf, die den Strom abbremsen oder ist das Gefälle zu extrem, schaffen es die kleineren Tiere nicht. Vor einigen Jahren scheiterten diese oft an den klassischen Fischtreppen, die für sie unüberwindbar waren, erklärt Peter Kugler vom Wasserverband Schwalm.

Das Probenergebnis aus der Schwalm macht den Experten jedenfalls Hoffnung. Allein am Wehr in Allendorf zogen sie auf 50 Metern Bachlauf 36 Fische sechs verschiedener Arten aus dem Wasser. Dies sei vor allem deswegen erstaunlich, weil die Strömung wegen der andauernden Regenfälle derzeit besonders stark sei, sagte Kugler.

Bei der Stichprobe, bei der zahlreiche Teilnehmer einer Fortbildungsveranstaltung des Wasserverbandes zusahen, kam die Elektrobefischung zum Einsatz, die ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke erlaubt ist. Mithilfe von Gleichstrom werden die Fische bei dieser Technik ins Netz gelockt und kurzzeitig gelähmt. Sie nehmen dabei aber keinen Schaden und fahren Sekunden später munter weiter mit dem Fahrstuhl.

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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