Bäcker müssen Umsatzsteuer zahlen, wenn sie Lebensmittel an die Tafel spenden

Fiskus achtet auf Gebäck

+
Neue Lieferung: Bäckereifachverkäuferin Kerstin Schmale steht mit einem Brotkorb vor der Wolfhager Tafel. Pro Woche kommen hier ungefähr 18 Brotkörbe und 10 Bleche mit Kuchen an.

Wolfhager Land. Wer spendet, kann Steuern hinterziehen. Wenn Bäcker ihre Waren an die Tafeln abgeben, müssen sie dafür Umsatzsteuer bezahlen. Im Wolfhager Land stößt die Regelung auf Kritik.

„Das ist lachhaft“, sagt Günter Glitsch, Mitarbeiter der Wolfhager Tafel. Etwa 340 bedürftige Menschen bekommen im Wolfhager Land ihre Lebensmittel bei der Tafel.

Fünf Bäcker machen mit

Man sei auf die Spenden der Bäcker angewiesen. Insgesamt fünf Betriebe aus der Region beliefern die wohltätige Organisation. Deswegen werde die Tafel auch weiterhin mit den Bäckern zusammenarbeiten. Aber: „Wir wollen vielleicht die rechtliche Situation von Experten prüfen lassen“, teilt Glitsch mit.

Vielleicht ist diese Prüfung gar nicht nötig. Bäckermeister Michael Briesemeister aus Wolfhagen spendet seine Erzeugnisse regelmäßig an die Wolfhager Tafel. Er hat sich bereits über ein Schlupfloch der Steuerregelung informiert.

„Ich werde in Zukunft meine Brote und Brötchen für einen symbolischen Euro an die Tafel verkaufen“, sagt er. Somit umgehe er die Schenkung und habe keine Probleme mit der Umsatzsteuer. Es sei traurig, sagt der Bäcker, dass man überhaupt für Lebensmittelspenden zahlen müsse.

Auch Roland Schäfer aus Zierenberg übt Kritik an der bisherigen Umsatzsteuer-Regel. „Selbst wenn sich meine Angestellten nach Ladenschluss etwas Gebäck mit nach Hause nehmen, muss darüber Buch geführt werden“, sagt der Bäckermeister. Jeder Mitarbeiter hätte ein gewisse Anzahl, die er steuerfrei mitnehmen könne.

Amt plant Neuregelung

Es scheint, als zeige die Kritik an der aktuellen Regelung beim Bundesfinanzministerium Wirkung. Man plane eine Entschärfung der Vorschriften, heißt es aus der Behörde.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

Kommentare