Flüchtling aus Pakistan lebt als Asylbewerber in Homberg

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Auf der Flucht: Muhammad Waqas Jamil stammt aus Pakistan und lebt jetzt in Homberg.

Homberg. "Ich stehe auf der Todesliste", sagt Mo. Mo, so nennen den 26-Jährigen in Homberg seine neuen Freunde. Für ihn ist in Deutschland alles neu. Sein Heimatort Karachi, Familie und Freunde in Pakistan, all diese Vertrautheit ist für Muhammad Waqas Jamil unerreichbar.

Er ist ein Flüchtling und lebt als Asylbewerber in Homberg. Er teilt sich ein Zimmer mit drei anderen Flüchtlingen.

"Wer mich in Pakistan erschießt, wird dafür belohnt", sagt er und nennt damit den Grund für seine Flucht. Denn er gehört der islamischen Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya an, deren Mitglieder werden in Pakistan verfolgt. Sie sind immer häufiger Opfer religiös motivierter Gewalt, teilt das Innenministerium mit. Auch deshalb habe sich die Zahl der Asylbewerber aus Pakistan im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Über 2500 Pakistaner haben 2011 in Deutschland Asyl beantragt.

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"Mein Vater hat mir zu der Flucht geraten. Meine Eltern hatten Angst um mein Leben, weil ich zu meinem Glauben stehe", sagt Mo. Sie sollten Recht behalten, denn erst vor wenigen Tagen sei einer seiner besten Freunde auf der Straße erschossen worden, sagt er und schweigt. "Die Situation ist ganz schlimm. Ich vermisse meine Familie", sagt er plötzlich und so leise, dass man es kaum hören kann. Dann wechselt er das Thema.

Seit Januar ist er in Deutschland. Zunächst 20 Tage in Gießen und seit Februar in Homberg. Deutsch konnte er bis dahin nicht, doch er hat es sich beigebracht. Er hat freiwillig an Sprachkursen teilgenommen und täglich mehrere Stunden geübt. "Die Sprache ist der Schlüssel", sagt er. Mittlerweile kann er sich gut verständigen und auch lesen, besucht eine Schule in Fritzlar.

Deutsch zu können, dass ist ihm wichtig. Immer wieder fragt er im Gespräch nach, ob er ein Wort richtig ausgesprochen hat und wie zum Beispiel die Vergangenheitsform laute.

Die Diskussion über die geplante Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Homberg hat Mo verfolgt. Die Sorge einiger Homberger vor Asylsuchenden kann er verstehen. "Es kommen viel fremde Menschen, die in einer Ausnahmesituation stecken. Da kann es zu Problemen kommen", sagt er. Doch die Homberger seien freundliche Menschen. "Ich fühle mich willkommen. Sie haben es mir leicht gemacht", sagt er und hofft, dass das auch andere Asylsuchende sagen können. "Man muss Deutsch lernen, um in Deutschland anzukommen. Dazu gehört es, sich anzupassen und kulturelle Unterschiede zu akzeptieren." Deshalb sei die Idee von Bürgermeister Martin Wagner, Sprachkurse für Asylsuchende anzubieten, Gold wert.

Mo freut sich darüber, sich endlich sicher zu fühlen und seine Religion leben zu dürfen, ohne dabei um sein Leben zu fürchten. "Das hat nichts mit Extremismus zu tun, sondern damit, dass ich ein guter Mensch sein möchte." Liebe für alle und Hass für niemanden, dass sei das Motto seiner Gemeinde und daran wolle er sich halten nicht mehr und nicht weniger.

Und er möchte seinen Eltern irgendwann am Telefon sagen können, dass er ein guter Bürger in Deutschland geworden ist. Und er erlaubt es sich, zu träumen: "Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und wer weiß, vielleicht kann ich irgendwann in einer Bank arbeiten."

Quelle: HNA

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