Flüchtlinge sollen in Melsunger Jugendherberge ziehen

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Die ehemalige Jugendherberge in Melsungen steht seit dem 12. April 2012 leer. Jetzt sollen dort Flüchtlinge untergebracht werden.

Melsungen. In den kommenden Monaten werden in Melsungen bis zu 100 Asylsuchende untergebracht. 20 von ihnen sollen im Erdgeschoss der ehemaligen Jugendherberge eine vorübergehende Bleibe bekommen.

Die anderen Etagen seien aus Gründen des Brandschutzes ausgeschlossen, sagt Melsungens Bürgermeister Markus Boucsein.

50 Asylsuchende leben derzeit schon in der Stadt. Sie sind überwiegend in privaten Wohnungen einquartiert. „Das ist für uns aber keine geeignete Lösung. Wir wollen die Unterbringung als Stadt besser steuern, daher sollen künftig keine Privatwohnungen mehr herangezogen werden“, sagt Boucsein weiter.

In den vergangenen Wochen habe eine Arbeitsgruppe mit Fraktionsmitgliedern, einem Vertreter des Landkreises, der Polizei, dem Ordnungsamt und der evangelischen Kirche nach weiteren Unterkünften gesucht. „Ein Gebäude kommt derzeit noch in Frage. Am Mittwoch in der Sitzung der Arbeitsgruppe fällt die Entscheidung, ob es tatsächlich geeignet ist.“

Die Stadt bevorzugt eine dezentralisierte Unterbringung: „Wir wollen keine 100 Menschen in einem Gebäude. Die Integration wird so erschwert, steht für uns aber klar im Fokus“, sagt Boucsein. Eine Ghettoisierung wolle man unbedingt vermeiden.

Die Informationen, die man vom Landkreis als zuteilender Stelle erfahre, seien dürftig. Weder Nationalität, Berufsausbildung noch Religionszugehörigkeit kenne man von den unterzubringenden Menschen. „Diese Daten und mehr wollen wir erfassen, um Konflikte – auch untereinander – zu vermeiden“, sagt Boucsein. Die Kinder sollten in die Kindergärten gehen, Deutschkurse über das übliche Angebot hinaus organisiert werden. Und zusätzlich soll es niederschwellige Angebote wie Kochkurse, Austausch über Kultur, Religion und anderes geben. „Wir hoffen auf Engagement von Ehrenamtlichen und der Kirchen.“

Kostenträger ist der Landkreis, er übernimmt die Mieten, weist Asylsuchende aber zu, ohne die kommunalen Kapazitäten zu überprüfen. Die Stadt sei daher initiativ geworden.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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