Ein Leben im Ungewissen: Zu Besuch bei Flüchtlingen in Wolfhagen

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Beschäftigung suchen: In seinem Zimmer in der Pommernanlage lernt Shahram Amiri Deutsch, um sich besser zu integrieren.

Gasterfeld. Die Flüchtlinge in der Wolfhager Pommernanlage haben noch mit Schwierigkeiten im Alltag zu kämpfen. Wir haben sie besucht:

In sein Heimatland, den Iran, will Shahram Amiri nicht zurück. In sich gekehrt wirkt der 52-jährige Asylbewerber, der seine Familie im krisengeschüttelten Staat am persischen Golf zurücklassen musste.

Seine spektakuläre Flucht, die ihn über unwegsame Gebirgspassagen zunächst in die Türkei und später nach Italien führte, habe politische Gründe gehabt. Mehr kann und will er nicht sagen. Stattdessen zieht er sein Hosenbein hoch und deutet auf die Schussverletzungen am Oberschenkel. „Ich bin in Deutschland, weil ich in Sicherheit leben möchte.“

Shahram Amiri ist einer von 40 Flüchtlingen, die zurzeit in der Gasterfelder Pommernanlage auf einen positiven Asylbescheid hoffen. Zwar will der 52-Jährige jede Chance zur Integration nutzen, doch das behördliche Prozedere mutet oft genug paradox an:

So haben die Flüchtlinge erst nach Abschluss ihres Asylverfahrens einen Anspruch auf einen Sprachkurs. Gerade die mangelnde Kenntnis des Deutschen verwehrt aber jeden Zugang zur Gesellschaft.

Schwierigkeiten im Alltag

Noch behilft sich Amiri, der vor sechs Monaten nach Deutschland kam und als einer der ersten Bewohner in die Pommernanlage zog, mit Englisch. Hilfe erhält er aber verstärkt von deutschen Freunden, die wie er in einer christlichen Kirchengemeinde aktiv sind: „Auch mit Essen und Kleiderspenden werde ich unterstützt.“

Als besonders schwierig gestalten sich auch die Fahrten der Flüchtlinge aus der weitläufigen Pommernanlage nach Wolfhagen und Umgebung. Zwar können die Asylbewerber bis zu siebenmal am Tag eine Buslinie des öffentlichen Nahverkehrs nutzen, doch das reiche bei Weitem nicht, sagt der 26-jährige Pakistaner Ranjid (Name von der Redaktion geändert).

So sei er über die Osterfeiertage krank gewesen und habe keinen Arzt aufsuchen können. Eine Taxifahrt könne er sich mit seinen schmalen Bezügen nicht leisten.

Wie Shahram Amiri ist auch Ranjid ohne Familie nach Wolfhagen gekommen. Ihm macht seit seiner Ankunft vor allem die Einsamkeit zu schaffen: Nachts denke er an seine Heimat, und tagsüber fehle ihm eine sinnvolle Beschäftigung.

Doch trotz der Anlaufschwierigkeiten in einer ihnen völlig fremden Umgebung möchten Shahram Amiri und Ranjid in Deutschland bleiben. Besonders die Gastfreundschaft der Wolfhager, die ihnen fast ausnahmslos vorurteilsfrei begegneten, imponiere ihnen.

Quelle: HNA

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