Eindrücke aus dem Flüchtlingscamp Schwarzenborn: Helfer im Dauereinsatz

Vorbereitungen: Über graue Schläuche wird von einem zentralen Öl-Heizkörper Wärme in die Zelte gepumpt. Der Zugang zum Gelände ist der Öffentlichkeit aus Sicherheitsgründen verwehrt. Foto: Göbel

Schwarzenborn. Momentan leben rund 300 Flüchtlinge in der Zeltstadt in Schwarzenborn. Der Zutritt zum Zeltgelände ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Auf dem Vorplatz, wo die Helfer ihre Arbeit koordinieren, herrscht rund um die Uhr Betrieb. Dort konnte HNA-Redakteur Daniel Göbel einige Eindrücke gewinnen.

Ein Mann sitzt gedankenverloren auf einem Stein. Der Kopf ist tief gesenkt, umfasst von beiden Händen. Die Verzweiflung ist ihm anzusehen. Welchen Leidensweg er hinter sich hat, woher er kommt, wie alt er ist, ob er Familie hat - all das lässt sich nur erahnen.

Vermutlich stammt er wie der Großteil der in Schwarzenborn lebenden Flüchtlinge aus Syrien, entfloh dort dem Bombenterror des seit nunmehr vier Jahren vorherrschenden Bürgerkriegs.

Vielleicht sucht er gerade das, was für die meisten Menschen völlig selbstverständlich ist: einen Moment der Stille, einen Rückzugsraum, den es im Camp kaum zu geben scheint. Auf dem Gelände herrscht Dauereinsatz. Unzählige Ehrenamtliche versorgen die Bewohner und kümmern sich rund um die Uhr um deren Belange.

Schwer vorstellbar, bei all dem Lärm zwischendurch Momente der Ruhe zu finden. Rückzugsmöglichkeiten bieten den Flüchtlingen eigentlich nur die Zelte, die sie sich mit anderen Leidensgenossen teilen. Für Privatsphäre bleibt da wenig Raum.

Letzte Arbeiten am Zeltlager für Flüchtlinge in Schwarzenborn

Im Hintergrund zeigen sich weitere Bewohner der Zeltstadt, meist junge Männer. Sie versuchen sich die Zeit mit Gesprächen zu vertreiben, andere verschwinden gleich wieder in ihren Zelten. Das Gelände dürfen sie nicht verlassen. In kleinen Gruppen verweilen sie auf der weiträumigen Wiese in der Sonne. Andere Bewohner wiederum sind ganz allein mit ihrem Smartphone beschäftigt, die einzige Möglichkeit für sie, Kontakt zur Familie zu halten.

Improvisierte Feldküche 

Während einige Helfer damit beschäftigt sind, in der improvisierten Feldküche das Mittagessen vorzubereiten, kümmern sich andere um die Ausgabe von Kleidung, die medizinische Versorgung und um die Beheizung der Zelte. Zu tun gibt es viel im Camp. Rund um die Uhr herrscht reger Betrieb. Weitere Zelte müssen aufgebaut werden, wenn neue Flüchtlinge ankommen, Böden begradigt werden, Heizöl nachgefüllt werden.

Um die Koordinierung der Hilfe vor Ort kümmern sich Mitarbeiter des Regierungspräsidiums, die ihr Büro provisorisch vor Ort in einem Hilfsfahrzeug des Roten Kreuzes eingerichtet haben.

500 Flüchtlinge sollen in Zeltstadt in Schwarzenborn einziehen

Damit niemand unbefugt auf das Gelände gelangt, sind rund um die Uhr Security-Mitarbeiter im Einsatz. Sie sorgen für die Sicherheit im Camp.

Wie lange die Flüchtlinge dort leben müssen, ehe sie in feste Unterkünfte kommen, wissen sie nicht. Sie leben in ständiger Ungewissheit.

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Quelle: HNA

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