Neun Anlagen sollten entstehen

Flugzeuge und Vögel kreuzen Windradpläne bei Escheberg

Escheberg. Neun Windkraftanlagen nahe dem Zierenberger Ortsteil Escheberg waren vorgesehen, genehmigt wurden aber nur vier. 

Die Anlagen liegen zu nah am Flugkorridor von Kassel-Calden. Auch der Rotmilan könnte den Planern noch in die Quere kommen.

Nördlich der Autobahn 44 sollten die insgesamt neun Anlagen, jede 199 Meter hoch, gebaut werden. Ein bis maximal zwei, so war der Plan der Stadt Zierenberg, sollten durch die Kommune, eine vielleicht auch durch eine noch zu gründende Bürgerenergiegenossenschaft betrieben werden. Davon versprach sich die Verwaltung hohe Einnahmen vor allem durch Pacht und Gewerbesteuer.

Betrieben von Firma "innovent"

Die vier bisher vom Regierungspräsidium (RP) Kassel genehmigten Windräder stehen allerdings allesamt auf dem Gebiet der Guts- und Forstverwaltung Escheberg, die in den Händen der Familie von der Malsburg ist. Betrieben werden drei Windräder dann von der Firma „innovent“ selbst, die auch die Planung rund um den Windpark übernommen hat. Eine Anlage könnte nach HNA-Informationen durch Bürger betrieben werden. Die Einnahmen durch die Windräder dürften für die Stadt dann deutlich kleiner ausfallen als zunächst erhofft.

„Die Flugsicherung hatte Bedenken wegen des Flugkorridors“, sagt Helmut von Zech (FDP), Erster Stadtrat von Zierenberg. Er hofft, dass die weiteren Windräder bis Ende des Jahres genehmigungsfähig sind.

Rotmilan könnte Problem sein

Die Flugzeuge rund um Calden sind ein Problem, Vögel sind ein weiteres. „Für zwei der beantragten Anlagen müsste auch noch untersucht werden, ob es dort Konflikte mit Rotmilanen gibt“, sagt Michael Conrad, Sprecher des RP.

Im Oktober oder November soll mit der Rodung im Wald für die vier Anlagen begonnen werden, nächstes Jahr könnten sie in Betrieb gehen.

Man müsse sehen, wie man die Kuh nun vom Eis bekommt, heißt es im Zierenberger Rathaus. Dort hatte man auf eine Genehmigung aller neun geplanten Windkraftanlagen gehofft. Die nun erlaubten Windräder werden der Stadt zwar Gewerbesteuer einbringen, aber keine Pacht, denn alle Anlagen werden auf dem Grund und Boden der Guts- und Forstverwaltung Escheberg stehen.

Nutzungsvertrag gibt es schon

Einen entsprechenden Nutzungsvertrag gibt es bereits, sagt Philipp von der Malsburg. Selbst werde die Familie von der Malsburg aber keine Anlage betreiben. „Wir wollen aber einen Schulterschluss mit der Stadt“, sagt der Betriebs- und Forstwirt. Mit dem Projektentwickler „innovent“ wurde ein gemeinsamer Partner gefunden. „innovent“ wird mehrere Anlagen selbst betreiben.

Die Genehmigung für den Bau von vier Anlagen liegt nun vor, mit den Rodungsarbeiten im Escheberger Wald darf aber erst im Oktober oder November begonnen werden. Auch der Wege- und Kabeltrassenbau soll noch Ende diesen Jahres starten. Etwa Ende des zweiten Quartals 2017 sollen sich die Windräder dann drehen.

Die Pachteinnahmen fließen in den Guts- und Forstbetrieb. „Es wird auch reinvestiert, beispielsweise in den Wegebau und die Gebäudeunterhaltung“, sagt von der Malsburg. Möglich wäre es auch, die Einnahmen in andere Formen der Energieversorgung zu investieren, beispielsweise in Photovoltaikanlagen auf dem Gut.

„Fast ein K.O.-Kriterium“

„Das wäre interessant, müsste aber mit dem Denkmalschutz besprochen werden.“ Landwirtschaftliche Flächen würden dafür aber nicht genutzt werden. Der Flächenverbrauch durch PV-Anlagen sei zu groß, außerdem seien die Module wenig ästhetisch.

Die Stadt Zierenberg und Planer „innovent“ müssen derweil nacharbeiten. Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel, betont: „Wenn dort ein notwendiger Korridor für den Flughafen Calden ist, ist das schon fast ein K.O.-Kriterium.“

Quelle: HNA

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