Fischsterben: Bis zu 500 Forellen verenden in der Zierenberger Warme

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Fassungslos: Timo Wendt fischte auf nur 15 Metern Flusslänge über zehn verendete Forellen aus dem Wasser. An die 500 sollen es insgesamt sein.

Zierenberg. Bisher war die Warme ein kleines Paradies für Angler. Doch damit ist vorerst Schluss. „Der Fluss ist auf einer Länge von etwa einem Kilometer tot, hier gibt es keinerlei Leben mehr", sagt Timo Wendt, zweiter Vorsitzender des Zierenberger Angelsportvereins.

Die Stadt Zierenberg hat nach Angaben des Angelsportvereins umgehend Wasserproben entnommen und für unbedenklich erachtetet, der Sauerstoffgehalt sei im normalen Bereich, zusätzliche Proben würden derzeit von der Polizei und der Unteren Wasserbehörde analysiert. „Die Ergebnisse müssen wir nun abwarten, haben vorsorglich am Samstag aber die toten Tiere eingesammelt, damit sich das Wasser schnellstmöglich regenerieren kann“, sagt Wendt.

Das Fischsterben in der Warme könnte aber auch eine ganz natürliche Ursache haben, wie vor wenigen Wochen in Berlin, wo in Folge eines Unwetters Regenwasser, Schmutz und nach Wochen der Trockenheit auch große Mengen Blütenstaub von den Straßen in die Abwasserkanäle gespült wurden. Die leiten das Wasser normalerweise zum Klärwerk, wo Mikroorganismen es zu Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor zersetzen. Ist es jedoch zu viel, fließt das Wasser über eine Überlaufschwelle in Stauraumkanäle, und wenn diese auch voll sind, läuft es in die Gewässer. Die Zersetzung des nährstoffreichen Gemischs bindet Sauerstoff, der schließlich den Fischen fehlt. So auch in Hamburg, wo das Wetter jüngst Auslöser eines Fischsterbens war. Große Mengen organischen Materials wie Blätter, Holz oder Insekten waren da in die Tümpel und Seen der Hansestadt gelangt, deren Zersetzung durch Bakterien dem Wasser Sauerstoff entzog, der letztlich den Fischen fehlte und sie verenden ließ.

Starkregen hatte es am Freitagmorgen auch in Zierenberg gegeben, ein Zusammenhang liegt somit im Bereich des Möglichen. Durch das viele Wasser könnte laut Timo Wendt aus der Kläranlage etwas in die Warme gelangt sein, das „dort nicht hingehört“, auch die gräulich verfärbten Kiemen der Fische deuteten auf „irgendetwas Chemisches“ hin.

Von ganz kleinen bis hin zu fangfähigen Forellen seien alle tot - ein Desaster für die Angelfreunde, die viel Zeit, Energie und auch Geld in die Warme gesteckt hatten. Über die Ursache des mysteriösen Fischsterbens kann Wendt nur mutmaßen: „Wir vermuten, dass es von der Zierenberger Kläranlage herrührt, nachweisen aber können wir es nicht.“ Es läge jedoch nahe, denn erst ab dem Einlauf der Kläranlage seien zwischen Friedhof und Gut Lahr an die 500 Tiere verendet.

Gewissheit werden die nun ausstehenden Untersuchungen bringen und Wendt bleibt nur die Hoffnung, dass die Warme möglichst schnell wieder zum Paradies für Zierenberger Angler wird.

www.asv-zierenberg.de

Quelle: HNA

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