„Wir hatten schon öfter Ärger“

Fortsetzung vor Amtsgericht: Zeuge sagt aus zum Konflikt zwischen Geschäftsmann und Polizist

Treysa. Hat ein Neukirchener Geschäftsmann einen Polizisten geschlagen oder ihm nur mit der Faust gedroht? Diese Frage stand gestern erneut im Mittelpunkt einer Anhörung vor dem Treysaer Amtsgericht.

Es war die Fortsetzung einer ersten Anhörung Anfang November (wir berichteten). Doch eine Einigung gab es auch am Freitag nicht, Anfang Februar soll ein abschließendes Urteil gesprochen werden.

Dabei geht es um einen Vorfall aus dem Januar 2008. Einem Polizeibeamten aus Homberg, der gemeinsam mit einem Kollegen auf Verkehrsstreife in Neukirchen unterwegs war, war ein Kompressoranhänger aufgefallen, der ohne Zulassung auf der Straße vor dem Betriebsgelände des Beklagten stand.

Zur Beweissicherung habe er den Anhänger fotografieren wollen, sei dabei aber vom Beklagten beleidigt und mit der Faust bedroht worden. Dabei habe er sich, wiederholte der Kläger, beim Ausweichen durch eine Drehbewegung des Körpers eine Zerrung der Lendenwirbelsäule zugezogen. Daher klage er auf Schmerzensgeld.

Langsam vorbeigefahren

Diese Angaben bestätigte vor dem Amtsgericht der frühere Polizeibeamte, der seinerzeit mit auf Streife und nun als Zeuge geladen war. Vor dem Vorfall hätten er und sein Kollege in der Birkenallee bereits eine Geschwindigkeitsmessung gemacht.

„Wie üblich“, sagte der Zeuge, sei dort bereits der Beklagte langsam mit seinem Auto vorbeigefahren und habe auffällig in das Polizeiauto geschaut. Später am geparkten Anhänger, „der im öffentlichen Verkehrsraum stand“, betonte der Zeuge, sei der Beklagte aus seinem Wagen ausgestiegen und schnurstracks auf seinen Kollegen zugegangen.

„Ich habe mir schon gedacht, dass eine Auseinandersetzung folgt“, sagte der Zeuge, deswegen sei er vorsorglich auch aus dem Polizeiauto ausgestiegen. Denn ihm und seinen Kollegen sei der Beklagte bereits von mehreren anderen, begründeten Verkehrsordnungswidrigkeiten bekannt gewesen. Unter anderem habe der Geschäftsmann einmal bei einer Geschwindigkeitsmessung einen Traktor auf dem Gehweg geparkt, mit einem Schild „Achtung, Blitzer“ am Heck.

„Immer sehr aggressiv“

„Wir hatten schon öfters Ärger mit ihm“, sagte der Zeuge, der den Beklagten als einen Menschen beschrieb, der immer sehr aggressiv, aufbrausend und „schnell auf Hundert“ sei.

Am Tag des Vorfalls im Januar 2008 habe er mehrere Schlagbewegungen des Beklagten gegen seinen Kollegen beobachtet. „Es sah so aus, als wolle er ihm den Fotoapparat aus der Hand schlagen.“ Ob er ihn getroffen habe, könne er aber nicht sagen. Zudem habe der Beklagte über „Mafia-Methoden“ geschimpft und behauptet, die Polizei würde ihm nachsteigen. Es sei nicht möglich gewesen, mit dem Geschäftsmann vernünftig zu reden. Der Kläger gab an, er habe zwei Wochen lang nach der Auseinandersetzung Schmerzen gehabt, „wie bei einem Hexenschuss“.

Weil er aber erst am Morgen danach zum Arzt gegangen war, bestritt der Anwalt des Beklagten einen Zusammenhang mit dem Vorfall in Neukirchen am Tag zuvor.

Quelle: HNA

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