Fracking: Bürgerinitiative diskutierte in Breuna über die Risiken

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Henner Gröschner von der Bürgerinitiative, Martin Häusling (Bündnis 90/ Die Grünen), Marjana Schott (Die Linke), Michael Stöter (CDU) und Lasse Becker (FDP).

Breuna. Die Bürgerinitiative Fracking freies Hessen betrachtet die aktuelle politische Entwicklung mit großer Sorge. Für Donnerstag hatte sie zu einer Veranstaltung in die Kulturscheune eingeladen.

50 Menschen informierten sich im Austausch mit Politikern nicht nur über die Risiken beim Fracking, sondern auch über das Freihandelsabkommen TTIP. Für Henner Gröschner von der Bürgerinitiative liegen die Nachteile von Fracking klar auf der Hand. „Die Aufsprengung des Gesteins im Untergrund kann giftigem Tiefenwasser den Weg ins Grundwasser ermöglichen.“

Damit meint er neben Benzol auch Quecksilber und radioaktives Material. Gäste des Abends waren Michael Stöter (CDU), Marjana Schott (Die Linke), Martin Häusling (Bündnis 90/ Die Grünen) und Lasse Becker (FDP). Ein großes Problem sieht die Bürgerinitiative ganz aktuell im Freihandelsabkommen „Transatlantic Trade and Investment Partnership“, kurz TTIP. „Uns droht eine Angleichung der Normen zwischen Amerika und Europa“, sagt Gröschner.

Den Konzernen solle ein Investitionsschutz eingeräumt werden. CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) sei ein ähnliches Abkommen der EU mit Kanada, dessen Grundsatzvereinbarungen schon unterzeichnet seien. Es müsse noch ausformuliert und ratifiziert werden. „Wir lehnen Fracking mit umwelttoxischen Substanzen ab“, betont Michael Stöter von der CDU.

Der Schutz von Gesundheit und Trinkwasser habe absoluten Vorrang. Für den Politiker habe das Freihandelsabkommen allerdings mehr positive Seiten als von der Bürgerinitiative geschildert. „Wir haben es bei TTIP und CETA mit keinen transparenten Abkommen zu tun“, sagt Marjana Schott von der Partei Die Linke.

„Die Wahl des Europaparlaments zögert die CETA-Geschichte etwas hinaus, aber ob wir die beiden Abkommen stoppen können, weiß ich nicht.“ Deutsche Erfindung Der Investorenschutz sei eine deutsche Erfindung, die nicht überlebt habe, sagt Martin Häusling von Bündnis 90/ Die Grünen. Es sei wichtig, dass eine breite öffentliche Diskussion stattfinde.

„Wir sind für den Stopp des Abkommens, wie es jetzt verhandelt wird“, so der Grünen-Politiker. Lasse Becker von der FDP sieht das Fracking in der Anwendung noch sehr kritisch, weil die Folgen nicht hinreichend erforscht seien. Das funktionierende Freihandelsabkommen mit Korea habe aber zumindest klare wirtschaftliche Vorteile gebracht. „Es hat dazu geführt, dass wir 24 Prozent mehr Handelsvolumen und mehr Arbeitsplätze haben.“ (pju)

Hintergrund

TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership“ ist ein in der Verhandlungsphase befindliches Freihandelsabkommen, das den Handel zwischen Nordamerika und Europa erleichtern soll. Kritiker beklagen, dass die angestrebte „Harmonisierung“ von Standards sich an den Interessen der Konzerne orientiert. Man befürchtet, dass die hohen europäischen Umwelt- und Gesundheitsstandards zugunsten aufgeweicht werden. Über diese Hintertür könnte das in den USA erlaubte Fracking in Europa genehmigt werden.

CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement) ist ein ähnliches Abkommen zwischen der EU und Kanada. Fracking ist eine Methode zur Erzeugung von Rissen im Gestein im tiefen Untergrund, mit dem Ziel, dass dort lagernde Gase oder Flüssigkeiten leichter zur Bohrung fließen können. (pju)

Quelle: HNA

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