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Franzose und Kanadier haben denselben Urgroßvater aus Gudensberg

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Endlich zusammen: Untere Reihe Tracy Levinsohn, Randy Levinsohn, Silke Bayer-Habenicht (Schwiegertochter von Lieselotte Habenicht), mittlere Reihe von links Lieselotte Habenicht, Elaine Levinsohn, Benny Levinsohn, André Heidt und Colette Heidt, hintere Reihe von links Reiner Rössel (Stadtverwaltung Gudensberg), Andrew Levinsohn und Craig Levinsohn.

Gudensberg. Bis vor ein paar Jahren wussten André Reidt aus Frankreich und Benny Levinsohn aus Kanada gar nicht, dass sie überhaupt noch Familienmitglieder haben. Über eine jüdische genealogische Internetseite haben sie sich gefunden.

Benny Levinsohns Sohn Andrew hatte dort ein paar Fotos eingestellt, die er in einem alten Brief gefunden hatte. André Heidt erkannte Familienmitglieder auf den Bildern. So stellte sich heraus, dass er und Benny Levinsohn den selben Urgroßvater aus Gudensberg haben und damit Großcousins sind.

In dieser Woche trafen sie sich zum ersten Mal. André Heidt reiste mit seiner Frau Colette aus Gannat in Frankreich nach Gudensberg an, Benny Levinsohn kam mit seiner Frau Elaine und seinen vier Kindern Tracy, Randy, Andrew und Craig aus Toronto in Kanada. Die Freude war groß. „Das war ein Herzenswunsch, mich mit Benny und seiner Familie in Gudensberg zu treffen“, sagte der 71-jährige André Heidt.

Reiner Rössel, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Gudensberg, hatte im Jahr 2006 einen Anruf von Heidt bekommen und ihn an Lieselotte Habenicht aus Deute weiter verwiesen. Sie betreibt mit Leidenschaft Familien- und Heimatforschung. Somit kam nach und nach immer mehr über die Familiengeschichte von André Heidt und Benny Levionsohn heraus. Moses Marum Levinsohn hieß der Urgroßvater, er hatte 1874 ein Haus in der Obergasse in Gudensberg gekauft, in der er lange eine Bäckerei betrieb. Seine Tochter Bienchen Levinsohn heiratete Alfred Heidt. Deren Sohn Max Heidt, Andrés Vater, war später in der Fremdenlegion tätig. André Heidt wurde in Marokko geboren.

Der Bruder von Bienchen Levinsohn hieß Leib Levinsohn. Dessen Sohn heiratete die Deutsche Josephine Kaufmann. Sie lebten in Frankfurt am Main und gingen im Jahr 1938 für neun Jahre nach China. Zu dieser Zeit war deren Sohn, Benny Levinsohn, zwei Jahre alt. Nach einem halbjährigen Stopp in San Francisco zog die Familie dann nach Toronto, wo Levinsohn bis heute mit seiner Familie lebt.

Auf dem jüdischen Friedhof in Gudensberg haben die Levinsohns einen alten Grabstein von Hannschen Levinsohn entdeckt, einer Großtante von Benny Levinsohn und André Heidt. Die Inschrift darauf ist heute noch gut zu erkennen.

„Es ist ein Wunder“, sagen die beiden Familien über ihr Wiedersehen. „Das wäre nie passiert, wenn wir das Internet nicht hätten“, sagte der heute 75-jährige Benny Levinsohn.

Nach ihrem Besuch in Gudensberg wollten die beiden Familien nach Frankreich zum Zuhause von André Heidt fahren. Dort haben sie viel Zeit, sich endlich richtig gut kennen zu lernen.

Von Franziska Kiele

Quelle: HNA

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