NVV hat bereits auf Beschwerde reagiert

Frau aus Altenhasungen fühlt sich von Stadtbus-Fahrer schikaniert

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Mit einem Rollator in den Bus einsteigen: Dies üben Senioren beim Rollatorentraining wie hier in Pforzheim (Baden-Württemberg). Beim NVV gibt es Überlegungen, so ein Rollatorentraining in Kooperation mit der HLB auch im Wolfhager Land anzubieten, so Sprecherin Sabine Herms.

Altenhasungen. Mehrmals ist eine 61-Jährige in Wolfhagen an einen Busfahrer der Hessische Landesbahn (HLB) geraten, der sie übel behandelt haben soll. „Busfahren ist für mich ein körperlicher Akt. Nun ist jede Fahrt auch noch mit Ängsten verbunden“, sagt Monika Schmidt (Name von der Red. geändert).

Sie ist schwerbehindert und leidet unter starken Schmerzen. Die 61-Jährige aus Altenhasungen fühlt sich gedemütigt vom Verhalten eines Stadtbusfahrers. Da sie kein Auto mehr fahren kann, ist sie auf den Bus angewiesen. Laufen kann sie nur mit einem Rollator.

Der erste Vorfall: Vom Bahnhof Wolfhagen aus wollte sie Anfang April zur Gärtnerei Bachmann fahren, um Blumen zu kaufen. Sie habe einen Busfahrer gefragt, welchen Bus sie nehmen müsse, um dorthin zu kommen. Dieser habe ihr gesagt, dass es der kleine rote Bus sei, dessen Fahrer stand nach Angaben der 61-Jährigen direkt daneben.

Fahrer lies sie stehen

Trotzdem sei der rote Bus kurze Zeit später abgefahren, ohne, dass Schmidt eingestiegen war. Ein Kollege habe dessen Fahrer per Funk aufgefordert, zurückzukommen. „Er fuhr sofort los, bevor ich die Rollatoren-Bremsen feststellen konnte.“ Der Busfahrer sei mit Vollgas durch die Innenstadt gefahren - und nicht Richtung Gärtnerei. Schmidt habe gefragt, wo er hinfahre und auch, warum er sie zuvor stehen gelassen habe. „Ich habe keine Zeit“, habe er geantwortet. „Mir ist dann herausgerutscht, dass er in der Pause genug Zeit hatte. Er schnauzte mich an, wenn ich weiter so unverschämt wäre, würde er mich rausschmeißen, das nächste Mal würde er mich am Bahnhof stehen lassen.“ Der Fahrer erlebte es anders: Er gab im Antwortschreiben des NVV auf Schmidts Beschwerde an, von dem Fahrziel nichts mitbekommen zu haben. Er sei normal weitergefahren und hätte nicht bemerkt, dass Sie sich habe hinsetzen wollen. Dafür habe sie sich vehement darüber beschwert, dass sie nicht direkt zur Gärtnerei fahren würde, heißt es im Schreiben vom NVV.

Laut Schmidt sei es auf der Rückfahrt zu einem weiteren Vorfall gekommen: Eine Frau mit Kinderwagen sei mit ihr eingestiegen. Schmidt sei daraufhin vom Fahrer aufgefordert worden, den Rollator aus Sicherheitsgründen zusammen zu klappen. Dazu sei sie aus dem Bus gestiegen. „Im selben Moment schloss er die Türen und fuhr hämisch grinsend davon“, so Schmidt. Im NVV-Schreiben heißt es: „Daraufhin hätten Sie den Bus verlassen und wären gegangen.“

„Dieses Antwortschreiben war für mich demütigend“, so Schmidt. Es habe sie auch dazu veranlasst, einen weiteren Vorfall Anfang Juli nicht zu melden. „Ich hatte nicht mehr die Kraft dazu.“

Bei der Fahrt am Monatsanfang traf Schmidt auf den selben Fahrer. Sie stieg in Altenhasungen ein, nach ihr kam noch eine Frau dazu. Beide wollten am Bahnhof Wolfhagen aussteigen. „Ich wollte den Bremsruck abwarten. Er fuhr langsam an die Haltestelle heran, doch anstatt anzuhalten, hat er Gas gegeben. Wir riefen entsetzt, dass wir aussteigen wollen. Er ließ uns daraufhin aussteigen und brauste los.“

Das schreibt Sabine Herms vom NVV in einer Pressemitteilung 

„Der Busfahrer wurde angehalten, sein Verhalten zu überprüfen. Wir haben ein großes Interesse daran, dass das Fahrpersonal Menschen mit Handicaps hilft.

Wir werden die HLB auch darüber informieren, dass es einen weiteren Vorfall gegeben hat. Dennoch ist es für den NVV wichtig, dass die Beschwerde schriftlich oder telefonisch bei uns ankommt. Sonst können wir den Vorfall nicht ganz gezielt ansprechen.

Wir erleben es aber immer wieder, dass Fahrgast und Fahrer eine Konfliktsituation unterschiedlich wahrnehmen, es kommt auch vor, dass Sachverhalte verschieden eingeschätzt werden.

Grundsätzlich sind die Fahrer hilfsbereit, wenn ein Senior mit Rollator Hilfe benötigt. Es sollte kein falscher Eindruck entstehen.

Das Verkehrsunternehmen schult regelmäßig sein Personal auch im Hinblick auf den Umgang mit mobilitätseingeschränkten Fahrgästen. In diesem Jahr wird ein Schwerpunkt darauf gelegt, wie Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren, Kinderwagen etc. unterstützt werden können.“

Von Nina Nickoll 

Quelle: HNA

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