Sonderausstellung im Regionalmuseum Wolfhager Land

Frauenleben im Mittelalter: Spannende Einblicke in die Geschichte

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Hat noch viel zu tun bis zur Ausstellungseröffnung: Beate Bickel, Leiterin des Regionalmuseums Wolfhager Land, sortiert Texte und Bilder, um sie in der Galerie zusammen mit der Wanderausstellung der Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger zu Informationstafeln zusammenzustellen.

Wolfhagen. Die Recherche zur Ausstellung „Frauenleben im Mittelalter“ gestaltete sich schwierig, schwieriger als vor einem Jahr, als das Regionalmuseum Wolfhager Land auf die Menschen in der Region zählen konnte, die zur Ausstellung über den Ersten Weltkrieg viele Erinnerungsstücke beitrugen.

Über Frauen jedoch, die im Mittelalter für Wolfhagen prägend waren, gaben die Archive wenig preis. Dennoch erlebte Museumsleiterin Beate Bickel Überraschungen.

So stieß sie bei ihren Recherchen auf Jutta von Isthe, eine Bürgerin aus Wolfhagen. Sie zählte zu den Beginen, einer Frauenbewegung im Mittelalter. Die Beginen lebten in antihierarchischer Gemeinschaft, Keuschheit hatte einen hohen Stellenwert, und sie wertschätzten die Arbeit, mit der sie für den eigenen Lebensunterhalt sorgten. „Später wurden diese Frauen als Hexen verfolgt“, sagt Bickel. Jutta von Isthe fasste 1308 den Entschluss, ihr Testament zugunsten des Klosters Hasungen aufzusetzen. Als wohlhabende Frau habe sie sich allerdings das Recht zum Verkauf vorbehalten, falls sie in Not geraten sollte.

Der allgemeine Teil der Ausstellung, den die Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger aus Dreieich zusammengetragen hat, widmet sich der Zeit von 700 bis 1500. Der Teil, der sich der Wolfhager Vergangenheit zuwendet, setzt im Jahr 1231 an und damit ab dem Zeitpunkt, als Wolfhagen erstmals erwähnt wurde.

Die Ausstellung gewährt unter anderem Einblick in das Leben der Landgräfinnen Sophia von Brabant (1224 – 1275), Margarete von Hessen (1363 – 1406) und Mechthild von Hessen (1441 – 1495). Die Frauen waren zuständig für die Region. Ob sie tatsächlich auch Wolfhagen besuchten, ist nicht bekannt.

Die meisten Frauen lebten im Mittelalter auf dem Land, sie arbeiteten hart und waren arm. Neben der anstrengenden Feldarbeit bereiteten sie die Mahlzeiten zu, wuschen Wäsche, schleppten Wasser, stellten die Kleidung für ihre Familien her, produzierten Körbe, Gürtel, Taschen. Einzige Möglichkeit, dem Kreislauf zwischen Kindergebären und körperlich schwerer Arbeit zu entgehen, war der Gang ins Kloster. Dies aber stand nur Frauen der oberen Schichten offen. „Nonnen und Adelige waren zudem die einzigen Frauen, die im Mittelalter lesen und schreiben konnten“, sagt Bickel.

Erst in den aufblühenden Städten des späten Mittelalters hätten sich für Frauen neue Möglichkeiten geboten. Frauen handelten erfolgreich, arbeiteten im Handwerk, betrieben Krämerläden und verkauften ihre Waren. Die Stellung der Frau veränderte sich durch die wirtschaftliche Entwicklung der Städte nachhaltig. In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Rollen der Frauen im Mittelalter betrachtet: als Nonnen oder Mystikerinnen, als Prostituierte oder Heilerinnen, als Bäuerinnen und Handwerkerinnen.

Ein Teil widmet sich Wolfhager Geschichte

Die Sonderausstellung „Frauenleben im Mittelalter“ findet von Donnerstag, 8. September, bis Sonntag, 13. November, im Regionalmuseum Wolfhager Land statt. Die Ausstellungseröffnung ist am Mittwoch, 7. September, um 19.30 Uhr. Die Ausstellung wurde konzipiert von der Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger aus Dreieich und vom Museumsteam des Regionalmuseums Wolfhager Land, das die Schau um einen regionalen Teil ergänzt hat. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. 

Kontakt: Regionalmuseum Wolfhager Land, Telefonnummer: 05692/992431, www.regionalmuseum-wolfhager-land.de

Quelle: HNA

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