Nach Entbuschungsaktion

Vulkanische Spuren am  Ofenberg nun wieder sichtbar

Wolfhagen. Es sind kleine Schritte, die den Geopark Grenzwelten mit seinen erdgeschichtlich spannenden Schauplätzen im Wolfhager Land attraktiver machen. Von einer dieser Aktionen haben jetzt auch die zwischen 20 und sieben Millionen Jahre alten vulkanischen Gesteinsschichten am Ofenberg bei Wolfhagen profitiert.

Bereits im Frühjahr hatte Bauhofmitarbeiter Karl-Ludwig Grebe die mit Fragmenten des Erdmantels reich übersäte Nordwand im Steinbruch hinter der Wolfsschänke wieder freigelegt. Mit seinem Bagger schabte er Flechten, Moose und Bewuchs von den Blöcken. Bäume wurden gefällt. Der Brennnesselteppich, der sich sonst im Sommer am Fuß des Schlotes ausgebreitet hatte, sei nun ebenfalls verschwunden, freut sich Geologe Dr. Reiner Kunz, Geopark-Beauftragter im Wolfhager Land. Nun komme das Besondere an den Wänden erst wieder richtig zur Geltung.

Vulkanschlot

Bewundern kann man unterhalb des Ofenbergturms die Füllung eines Vulkanschlots. Nach Erosion von einst etwa 150 Meter aufragenden Schlotwänden sind oberhalb der Erdoberfläche acht Meter sichtbar geblieben. In das Gestein eingeschlossen sind nur mit der Lupe erkennbare Minerale. Sie kristallisierten aus der heißen Lösung aus, die sich im Anschluss an die Vulkaneruption im Schlot befand.

Wie Kunz sagt, ist in die Füllung mindestens ein magmatischer Gang eingedrungen. Dieser sei ungewöhnlich reich an stark verwitterten Fragmenten des Erdmantels. Im Volksmund heißen die Fragmente Olivinknollen; wer der Wand einen Besuch abstattet, dem werden die zahlreichen gelben Einsprengsel auffallen. Diese aluminiumhaltigen Mineralien belegen, dass die Bruchstücke am Ofenberg aus einer Tiefe von 30 bis 60 Kilometern und das Magma aus noch größerer Tiefe stammen.

Überregionales Interesse

Stark verwitterte Olivinknollen: Geopark-Beauftragter Dr. Reiner Kunz (Foto) freut sich ob der wieder hergestellten Sichtbarkeit der mineralischen Einschlüsse. Karl-Ludwig Grebe vom Bauhof hatte mit seinem Bagger den Moos- und Pflanzenbewuchs von der Wand geschabt. Foto: Thon

Mit seiner Vielfalt an Bruchstücken der tieferen kontinentalen Kruste und des oberen Erdmantels löst der Aufschluss unter Experten überregionales Interesse aus. Immer wieder nehmen Studenten und Forscher die Wand in Augenschein. Die größte Sensation, so Kunz, sei allerdings abhanden gekommen – ein so genannter Eklogit, also ein Bruchstück ehemaliger ozeanischer Kruste, das vor vielen Jahrzehnten am Ofenberg entdeckt worden war. Nach Expertenmeinung ist es der einzige Vulkan innerhalb der europäischen Vulkanfelder, an dem Geologen einen Eklogit gefunden haben.

Im Zuge der weiteren Ausschmückung des Geoparks Grenzwelten soll der Steinbruch mit einer Infotafel ausgestattet werden, wie sie bereits im Wolfhager Stadtwald mit Hinweis auf die Saurierspuren und am Großen Gudensberg bei Zierenberg zum Kasseler Meeressand aufgestellt ist. Thema der Beschilderung am Ofenberg könnte der Schalenaufbau der Erde sein, Unterschiede zwischen ozeanischer und kontinentaler Kruste könnten dargestellt und die Umwandlung ozeanischer Kruste zu Eklogit erläutert werden.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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