Freiheitsstrafe wegen Falschaussage in Jugendstrafe umgewandelt

Marburg/Schwalmstadt. Jugendstrafe oder Erwachsenenstrafrecht: Darum drehte sich die Verhandlung um einen 22-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain in der Berufung vor dem Landgericht Marburg.

Wegen uneidlicher Falschaussage und versuchter Strafvereitelung war der Mann in erster Instanz zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

In der Berufung wandelte das Gericht das Urteil nun in eine elfmonatige Jugendstrafe um, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Zudem muss der 22-Jährige 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Beim ersten Hauptverhandlungstag im Dezember vergangenen Jahres hatte ein Zeugenmarathon über mehrere Stunden stattgefunden, in dessen Verlauf auch die Eltern des Angeklagten zur schulischen und persönlichen Entwicklung ihres Sohnes befragt worden waren. Ein Teil der Befragung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Laut Anklage hatte der 22-Jährige, der mittlerweile in Dortmund wohnt, vor mehr als zwei Jahren während einer Hauptverhandlung am Amtsgericht Treysa als Zeuge falsch ausgesagt, um einen Freund vor einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung zu bewahren. In einem langwierigen Verfahren hatte der Freund letztendlich die Beteiligung an einer Schlägerei eingeräumt, die sich vor rund drei Jahren in einer Kneipe im Altkreis zugetragen hatte. Der Freund und zwei weitere Zeugen aus dem persönlichen Umfeld des Angeklagten waren verurteilt worden.

Die Namen der jungen Männer wurden immer wieder im Zusammenhang mit der rechten Szene und den Freien Kräften Schwalm-Eder genannt. Zu seinem persönlichen Umfeld und eventuellen politischen Aktivitäten wollte sich der Angeklagte in der Berufung nicht äußern.

Was jedoch den Vorwurf der Falschaussage betraf, so brach er mit seinem bisherigen Schweigen. Seine damalige Aussage habe auf seiner Wahrnehmung der plötzlichen tumultartigen Geschehnisse und seiner Erinnerung an diese beruht. Er habe nicht gesehen, dass sein Freund an der Schlägerei beteiligt gewesen sei. Aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen zu den Beteiligten habe er wohl die Schuld bei anderen gesucht. Heute sei ihm bewusst, dass er falsch ausgesagt habe. Er hätte seine Wortwahl besser überdenken und sagen sollen, dass er nichts gesehen habe.

Sowohl der Staatsanwalt als auch die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe sprachen sich in der Berufung für eine Verurteilung des zur Tatzeit 20 Jahre alten Angeklagten nach dem Erwachsenenstrafrecht aus. Der Angeklagte habe objektiv und subjektiv falsch ausgesagt, sagte der Staatsanwalt, der sich für eine achtmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung aussprach. Für eine Jugendstrafe plädierte der Anwalt des 22-Jährigen. Sprachliche Gewandtheit und sicheres Auftreten seien nicht zwingend ein Zeichen für die Erwachsenenreife. Bei genauerem Hinsehen ergäben sich ernste Zweifel an der Reife des Angeklagten, begründete der Richter die Umwandlung des Urteils in eine Jugendstrafe. (zhk)

Quelle: HNA

Kommentare