Trucker soll beinahe einen Kleintransporter von der Autobahn 44 gedrängt haben

Freispruch für Fernfahrer

Kassel/Zierenberg. Die junge Frau sagt während der Verhandlung im Amtsgericht immer wieder diesen gleichen Satz: „Das fand ich nicht witzig!“ Was sie meint, bezieht sich auch nicht auf den Prozess, sondern auf das, was sie wegen des angeklagten Lastwagenfahrers auf der Autobahn 44 erleben musste. Und was noch heute ihren Groll herausfordert: „Das fand ich nicht lustig!“

Wegen eines riskanten Überholmanövers, bei dem der Kleintransporter mit der Frau und ihrem Freund an Bord beinahe – so haben es die beiden jedenfalls empfunden – von der Autobahn gedrängt worden wäre, muss sich ein 58-jähriger Aushilfstrucker vor Gericht verantworten. Doch am Ende wird er sich über einen Freispruch freuen können: Der Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung und versuchten Nötigung, den die Staatsanwaltschaft erhoben hatte, lasse sich nicht aufrecht erhalten, meint das Gericht.

Es war der frühe Nachmittag eines Novembertages 2009. Das wie der Angeklagte aus dem Westfälischen stammende Paar war auf dem Rückweg von einer Familienfeier in Zwickau, als es sich in einer Baustelle bei Zierenberg von einem Lastzug bedrängt fühlte. Sehr dicht aufgefahren sei der 40 Tonnen schwere Viehtransporter, erzählen die beiden, und der Fahrer habe wohl die Lichthupe betätigt. Und weil sie trotzdem nicht schneller als die erlaubten 80 km/h gefahren seien, habe der Trucker das Überholverbot ignoriert und sei auf der linken Spur vorbeigezogen.

Doch damit nicht genug: Auf gleicher Höhe angekommen, habe er plötzlich rechts geblinkt und sei nach rechts gezogen. „Der kam bedrohlich rüber“, erinnert sich der 31-Jährige, der am Steuer des Transporters saß. „Der hat versucht, mich in die Bremse zu prügeln, dass ich mich zurückfallen lasse – das war kein Schlenker, der mal passiert.“ Und seine Freundin ist sich sogar sicher: „Für mich war’s ein Androhen, dass er uns schubst.“ Nur weil sie mit ihrem Wagen noch nach rechts auf den Standstreifen hätten ausweichen können, sei es nicht zum Zusammenstoß gekommen. „Das fand ich nicht witzig!“

Der Angeklagte bestreitet all das freilich vehement: Zwar sei er an jenem Tag auf der A 44 unterwegs gewesen. „Aber so fahre ich nicht“, beteuert er. „Das ist nicht mein Fahrstil.“ Und er hat Glück: Anders als die Staatsanwaltschaft, die eine Geldstrafe von 800 Euro (40 Tagessätze à 20 Euro) fordert, hält das Gericht das Drängeln nicht für nachweisbar.

Denn wie dicht der Mann wirklich aufgefahren ist und ob er tatsächlich die Lichthupe einsetzte – das wissen auch die Zeugen nicht mehr so genau. Und das Überholmanöver, befindet das Gericht, könne auch einfach ein Fahrfehler gewesen sein. Nicht aus Absicht also, sondern aus Unachtsamkeit.

Von Joachim F. Tornau

Quelle: HNA

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