Freispruch: Rätsel um verschwundenes Moped

Treysa. Ein sichtlich unbefriedigendes Ende für das Diebstahlopfer nahm eine Verhandlung am Amtsgericht Treysa gegen einen 27-jährigen Arbeitslosen aus dem Altkreis Ziegenhain.

Laut Anklage soll der Mann im Juni 2014 in Frielendorf ein Leichtkraftrad im Wert von knapp 1000 Euro gestohlen haben.

Darüber hinaus wurde ihm Urkundenfälschung und das Fahren ohne Versicherungsschutz vorgeworfen. Zu den Vorwürfen sagte der Mann nichts. Er machte bloß Angaben zur Person, nahm sein Aussageverweigerungsrecht in Anspruch und schwieg ansonsten.

Mit dem gestohlenen Zweirad war der 27-Jährige ein paar Tage nach dem Diebstahl von der Polizei in Treysa gestoppt und festgenommen worden. Dabei stellten die Beamten nicht nur das Diebesgut sicher, sondern auch noch ein ungültiges Nummernschild. Außerdem stand der Mann unter Drogeneinfluss.

„Er habe das Motorrad von einem Bekannten bekommen, um es in eine Werkstatt zu bringen“, zitierte der damals ermittelnde Polizeibeamte die Aussage des Angeklagten aus dem Vernehmungsprotokoll.

Zunächst stand die Mutter des 16-jährigen Leichtkraftradeigentümers im Zeugenstand. Das Moped habe am Abend abgeschlossen im Carport gestanden und am nächsten Morgen sei es dann weg gewesen, erinnerte sich die Frau. Der Sohn habe sich die Maschine vom eigenen Geld gekauft und dafür hart in der Firma des Vaters gearbeitet. Umso ärgerlicher natürlich der Verlust, sagte die Zeugin.

Ihr Sohn sei ja damals noch keine 16 gewesen und darum war das Motorrad auch noch gar nicht angemeldet gewesen. Das Moped kam dann zwar wieder zur Familie zurück, aber völlig runtergekommen und kaputt. „Da die Maschine nicht zugelassen war, hat natürlich auch die Versicherung nichts bezahlt“, erklärte die Mutter.

Im Verlauf der Verhandlung galt es für das Gericht, noch die Herkunft des montierten Kfz-Kennzeichens zu ergründen. Der ursprüngliche Eigentümer gab an, das Kennzeichen mit anderen Metall- und Schrottresten entsorgt zu haben.

Auf die direkte Frage des Richters, ob er denn dem Angeklagten das Nummernschild gegeben habe, sagte der Mann: „Nein. Ich war zwei Jahre in Haft. Ich konnte es ihm also gar nicht geben.“

Nach einer knappen Stunde beendete der Vorsitzende Richter die Beweisaufnahme. Im Plädoyer forderte die Staatsanwältin eine Geldstrafe für Fahren ohne Fahrerlaubnis und den Kennzeichenmissbrauch.

Den Vorwurf des Diebstahls ließ sie aus Mangel an Beweisen fallen. „Traurig ist, dass das Opfer der Verlierer der ganzen Sache ist“, stellte die Juristin abschließend fest.

Das Gericht folgte dem Antrag und verurteilte den Mann zu einer Strafe von 1050 Euro und zwei Monaten Fahrverbot.

„Natürlich spricht einiges dafür, dass derjenige der das Motorrad gefahren hat, es auch geklaut hatte. Aber das ist halt nur eine Vermutung. Daher gilt der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten“, so der Richter in seiner Begründung.

Für den 16-Jährigen als Diebstahlopfer ging die Sache letztendlich doch noch glücklich aus. Die Eltern kauften ihrem Sohn ein neues Moped, war zu erfahren.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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