Junggebliebene Seniorinnen treffen sich in der Melsunger Stadthalle zum Tanzen

Freitags steppt der Bär

Beschwingt: 22 Melsunger Seniorinnen treffen sich freitags zum Tanzkreis in der Stadthalle. Volks- und Blocktänze stehen neben dem hier gezeigten Paartanz auf dem Programm. Foto: Paul

Melsungen. „Eins, zwei, drei, vier. Zur Mitte. Fünf, sechs, sieben und acht. Drehen, vor und zurück“, so lautete die knappe Anweisung von Tanzleiterin Lieselotte Metz. Und alle 22 Seniorinnen des Melsunger Tanzkreises schwangen das Tanzbein rhythmisch mit.

Mittlerweile beherrscht die in den späten 1980er-Jahren ins Leben gerufene Tanzgruppe mehr als 100 Choreografien. Und ebenso vielfältig ist ihr Musikrepertoire. Lieselotte Metz, die den Tanzkreis 1992 übernommen hat, bekommt ihr Material vom Seniorentanzverband des Landkreises Fulda. Im Bonifatiuskloster im osthessischen Hünfeld hatte die engagierte Seniorin bereits 2001 ihr Diplom zur Tanzleiterin absolviert.

„Musik und Tanzschritte wurden in Studien ermittelt; es gibt zwar auch richtig flotte Stücke, halt eben auf Senioren zugeschnitten“, erklärt Metz. Getanzt wird alles außer Standard und Lateinamerikanisch – vor allem in Ermangelung männlicher Tanzpartner. „Von den aktuell 22 Tänzerinnen haben nur noch wenige einen Lebenspartner“, berichtet Gerlinde Pollock, die den Tanzkreis seit 2005 gemeinsam mit Lieselotte Metz leitet. Doch Not am Mann macht erfinderisch: ein Teil der Frauen heftet sich für die Paartänze rote Herzen an und übernimmt so den Führungspart.

Unter anderem stehen der Volkstanz Rosestock-Holderblüt und ein Blocktanz nach dem Radetzky-Marsch, komponiert von Johann Strauss Senior, auf dem Programm. Dabei ist Koordination und Taktgefühl gefragt, denn die Frauen tanzen in Reihen.

„Jede tanzt eben, wie sie kann!“

Lieselotte Metz

„Das Tanzen hält geistig und körperlich fit“, erläutert Pollock. Und Metz ergänzt: „Viele wollen nach dem Tod des Gatten das Haus nicht verlassen oder glauben, sie können wegen ihrer Gebrechen nicht tanzen. Das ist Quatsch, denn gerade dann sind wir eine Anlaufstelle.“

Es gehe immer lustig und sehr familiär zu. Außerdem müsse nicht jeder Tanz mitgemacht werden. „Jede tanzt eben, wie sie kann! Und am Ende gibt’s einen Abschlusstanz, bei dem wirklich alle dabei sein können“, so Metz. Denn die jüngste Teilnehmerin ist Anfang 60, die älteste zählt bereits 93 Jahre.

Beim Seniorentanzkreis geht es neben körperlicher Aktivität aber auch um das Zwischenmenschliche. Geburtstage werden mit Gedichtvorträgen, Kaffee und Kuchen gefeiert; zu Fasching findet ein Kreppelkaffee statt. Bis vor Kurzem sind die rüstigen Seniorinnen auch beim Karneval und auf Seniorennachmittagen aufgetreten. Bis nach Bebra seien sie gefahren, so Gerlinde Pollock. „Allerdings ist die Nachfrage leider nicht mehr so hoch. Die jungen Semester mit knappen Kleidchen laufen uns den Rang ab.“

Dennoch verlieren die Hobbytänzerinnen nicht den Spaß am Sport und freuen sich immer über Zuwachs.

Von Jasmin Paul

Quelle: HNA

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