Nur keine Angst vor Dreck

Freiwillige sorgen dafür, dass das Hochmoor im Kellerwald nicht austrocknet

Jesberg. Matsch, Moor, Maloche: Es war ein echter Knochenjob, den jetzt freiwillige Helfer in Jesberg leisteten, um das Hochmoor im Kellerwald vorm Austrocknen zu bewahren.

Sie schippten Erde, schleppten Eimer, karrten Schubkarren, errichteten Staudämme und verschlossen Gräben - all das soll dafür sorgen, dass nicht weiter Wasser aus dem einzigen Hochmoor im Landkreis sickert und es auf lange Sicht vertrocknet.

Für die 40 Freiwilligen, die in den vergangenen Wochen mit der Initiative Bergwaldprojekt aus dem ganzen Land nach Jesberg reisten, um dort zu malochen, war dieses Ziel Ansporn und Motivation genug, um den ganzen Tag über zu arbeiten. Angst vor Schmutz durfte dabei niemand haben: Die Stiefel und Hosen der Helfer starrten schon immer bei der Frühstückspause vor Dreck.

Der guten Laune tat das keinen Abbruch, die meisten waren mit Feuereifer bei der Sache. Matthias Schnücker vom Forstamt Jesberg kann das nicht genug würdigen: „Ohne den Einsatz der Freiwilligen wäre das alles gar nicht möglich“, sagt der Förster.

Denn die Arbeit muss mühsam und in ungezählten Stunden per Hand erledigt werden - im unwegsamen und noch dazu sumpfigen Gelände kann kein schweres Gerät eingesetzt werden - erstens würde es wohl schmatzend untergehen, zweitens sei ein so komplizierter Einsatz gar nicht zu bezahlen, sagt Schnücker.

All die Freiwilligen, die sich eigens für die Arbeit im Kellerwald eine Woche Urlaub genommen haben, ist es nicht nur eine spannende Art, die Ferien zu verbringen, sondern auch eine Art gelebter Naturschutz. „Es ist ein super Ausgleich zum Büroalltag“, sagt Barbara Heiland aus Frankfurt.

„Das ist mal eine Arbeit, die einen im Wortsinne erdet“, sagt Jan Jansen und schaut grinsend auf seine erdverkrustete Hose. Der Student der Landwirtschaft aus Unna hat seinen Spaß an der Moor-Renaturierung: „Wir treffen uns hier jeden Tag, um im Dreck zu wühlen.“ Was witzig klingt, ist für Matthias Schnücker von Hessen-Forst und Michael Lenz von der Oberen Naturschutzbehörde eine ernste Sache: Die Arbeiten sind die einzige Chance, das Moor zu retten, aus dem unaufhörlich das Wasser rinnt, dem junge Bäume die Nässe entziehen.

Das alles ist Anreiz für die Freiwilligen, sich mit aller Kraft für die Natur einzusetzen. „Man ist hier für eine gute Sache im Einsatz“, sagt Dr. Linhard Wegewitz. Der Physiker aus Clausthal-Zellerfeld rammt gerade mit Jan Jansen einen Pfahl für eine Staustufe in die Erde. „Die Staumauer am Edersee ist nichts gegen das, was wir hier machen“, sagt Jansen und lacht. Sein Fazit: „Jeder kann was für den Naturschutz tun.“

Quelle: HNA

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