Freiwillige suchen auf eigene Faust nach dem Vermissten Erwin F.: aus Balhorn

Gut organisiert: Balhorns Wehrführer Oliver Lenz (rechts) und Ortsvorsteher Karl-Heinz Dorer (hinten rechts) hatten die private Suchaktion am Freitag geplant. Sie schickten mehrere Suchtrupps mit je fünf Freiwilligen auf die Suche – bis Redaktionsschluss jedoch erfolglos. Fotos: Deutschländer

Balhorn. Freitagnachmittag, kurz nach 14 Uhr. Rund 50 Freiwillige sind zum Gerätehaus der Feuerwehr Balhorn gekommen. Sie alle haben ein Ziel: Sie wollen Erwin F. finden.

Der 74-Jährige wird seit Dienstagvormittag vermisst. Hundertschaften der Polizei, Hubschrauber, Feuerwehr, das DRK, Bereitschaftspolizei und zehn Rettungshunde haben seither nach dem Rentner aus Balhorn gesucht - erfolglos. Im Dorf kam deshalb am Donnerstag die Idee auf, auf eigene Faust weiter zu suchen. Gesagt, getan. Als die Freiwilligen am Freitag zur Feuerwehr kommen, haben Wehrführer Oliver Lenz und Ortsvorsteher Karl-Heinz Dorer bereits ein Konzept für die Suche ausgearbeitet.

Im Radius von einem Kilometer rund um das Wohnhaus des Vermissten wollen sie suchen, in Gruppen von jeweils fünf Personen. Zwei Stunden nimmt jede Gruppe sich Zeit. Wegen der eingeschränkten Mobilität von Erwin F. gehen die Organisatoren der privaten Suchaktion davon aus, dass er nicht weit gekommen sein kann. „Die Zeit spielt gegen uns“, weiß Wehrführer Lenz. Aber man wolle Gewissheit für die Familie von Erwin F. . In sozialen Netzwerken haben sie deshalb für die Suche geworben und so bis Freitagnachmittag bereits rund 7000 Nutzer erreicht.

Dass am Donnerstag in Balhorn Gerüchte im Umlauf waren, nach denen der 74-Jährige gefunden worden sei, ist laut Ortsvorsteher Dorer „kontraproduktiv“. Ganz anders die gemeinsame Suchaktion vom Freitag: Sie ist laut Oliver Lenz ein Beweis für die starke Gemeinschaft in Balhorn.

Notburga F. ist all den Helfern „von ganzem Herzen“ für deren Engagement dankbar. Als die HNA sie am Freitagvormittag telefonisch erreicht, hat F. selbst schon zweieinhalb Stunden vergebens nach ihrem Ehemann gesucht. „Ich bin so erschöpft“, sagt sie. Notburga F. räumt ein, nur noch sehr wenig Hoffnung zu haben, dass ihr Mann lebend gefunden wird.

Drang, spazieren zu gehen

Wegen seiner Krankheit - Erwin F. hat seit 17 Jahren Parkinson - gehe der Senior kaum auf einen Menschen zu, um beispielsweise nach Hilfe zu fragen. Früher, sagt Notburga F. , sei ihr Mann ruhig, aber aufgeschlossen gewesen. Heute sei sie eine von wenigen, denen ihr Mann sich anvertraue. „Wenn ihm etwas in den Kopf kommt, setzt er das sprunghaft um“, sagt die Ehefrau. Zuletzt habe er immer wieder den Drang gehabt, spazieren zu gehen.

„Ins Dorf ist er aber schon lange nicht mehr gegangen“, erzählt sie. Höchstens auf dem Sportplatz habe er ab und an noch vorbeigeschaut. „Dann habe ich ihn aber hingefahren und wieder abgeholt.“ Zuletzt habe ihr Mann sich den Umständen entsprechend wieder besser gefühlt. Sogar in den Urlaub habe er noch einmal fahren wollen. „Ich weiß, dass er mich jetzt braucht. Wir haben uns gegenseitig nie verletzt. Er hätte mich auch jetzt nie verletzt“, sagt Notburga F.mit tränenerstickter Stimme. (ld)

Quelle: HNA

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