Keine Angst vor Entführungen auf den Geburtenstationen in Fritzlar und Schwalmstadt

Fremde fallen sofort auf

Fühlen sich gut aufgehoben: Daniela Fröhlich und Holger Morsch aus Frielendorf-Gebersdorf haben am Sonntagabend ihre Tochter Lucille Morsch in der Asklepios -Klinik Schwalmstadt bekommen. Betreut werden sie von Dr. Katja Treiber (links). Foto: Quehl

Schwalm-Eder. Das ist eine Horrorvorstellung für Eltern – nur wenige Stunden nach der Geburt wird der Nachwuchs von der Babystation entführt. So erging es vergangene Woche einem Elternpaar in einer Frankfurter Klinik, die mittlerweile ihr Kind wohlbehalten zurück haben.

Werdende Eltern im Schwalm-Eder-Kreis brauchen sich aber keine Sorgen zu machen. „Von unserer Geburtenstation wurde noch kein Kind entführt“, sagte Prof. Dr. Hans-Harald Riedel, Chefarzt der Geburtenstation in der Asklepios-Klinik Schwalmstadt. Etwa 400 Kinder kommen im Jahr auf seiner Station zur Welt. Diese Zahl sei so überschaubar, dass die Schwestern die Eltern und Kinder kennen und wissen, wer zu wem gehört. „Niemand kann die Station verlassen, ohne am Schwesternzimmer vorbeizukommen“, sagte Riedel. Eine Entführung könne nur in der Anonymität eines großen Krankenhauses wie in Frankfurt geschehen.

„Es ist so gut wie unmöglich, ein Kind von der Station einfach mitzunehmen.“

Prof. Dr. Hans-Harald Riedel

In der Frankfurter Klinik wird nun über eine Videoüberwachung auf der Entbindungsstation nachgedacht. So etwas hält Riedel aber in Schwalmstadt nicht für notwendig. „Bei uns sind die Kinder nicht zentral in einem Säuglingszimmer, sondern in den Zimmern der Mütter untergebracht.“ Man rate zwar den Müttern, ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen, die würden aber sowieso gut aufpassen. „Es ist so gut wie unmöglich, ein Kind von der Station einfach mitzunehmen“, sagte Riedel. Ein potentieller Entführer müsste genau wissen, wann eine Mutter das Zimmer verlässt und unbemerkt von den Schwestern wieder verschwinden. Das hält Riedel für unrealistisch.

Auch im Hospital Zum-Heiligen-Geist in Fritzlar hat es bisher noch keinen Fall von Kindesentführung gegeben. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nicht“, sagte Geschäftsführerin Barbara Gawliczek, Dennoch können Mütter auch dort beruhigt sein. „Auf unserer Geburtenstation ist alles sehr überschaubar, da fallen Fremde schnell auf“, sagte Gawliczek. Im Fritzlarer Krankenhaus werden 500 Kinder jährlich entbunden. Nur selten würden mehr als 10 bis 13 Kinder gleichzeitig auf der Station betreut, sagte Barbara Gawliczek.

Auch in Fritzlar sind die Neugeborenen in den Zimmern der Mütter untergebracht. Für den Fall der Fälle seien aber an allen Ein- und Ausgängen sowie Treppenhäusern Videokameras installiert „So hätte man dann ein Fahndungsbild vom Entführer“, sagte Gawliczek.

Verwechslung ausgeschlossen

Dass Neugeborene auf der Station verwechselt werden könnten, schließen Gawliczek und Riedel aus. „Mehrere Geburten gleichzeitig gibt es bei uns nicht. Zudem wird den Kindern sofort ein Namensband ums Handgelenk gelegt“, sagte Riedel. Auch in Fritzlar bekommen die Babys noch im Kreißsaal das Band mit dem Namen.

Von Diana Rissmann

Quelle: HNA

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