CDU und FWG begrüßen den Wahlsieg von Norbert Miltz – SPD und UWG weniger

Freude bis Enttäuschung

Ottrau. Zerknirschte Stimmung auf der einen, unumwundene Freude auf der anderen Seite: Am Tag nach dem Wahlsieg des Ex-Christdemokraten Norbert Miltz bildeten sich zwei Lager in Ottrau ab.

SPD: Reinhard Becker, Vorsitzender des SPD-Ortsverbands, nimmt „Bedauern allenthalben“ wahr. „Das Ergebnis haben wir so nicht erwartet“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Die „stattliche Mehrheit“ Merles im ersten Wahlgang – er hatte vor zwei Wochen 41,3 Prozent erzielt – interpretierten die Sozialdemokraten als sehr schwer aufzuholenden Vorsprung. Unerklärlich sei, warum Wähler im zweiten Durchgang von Merle zu Miltz wechselten. Der SPD-Vorsitzende glaubt, dass das Votum nicht pro Miltz, sondern gegen Merle und die SPD ausfiel, entsprechend sei Stimmung gemacht worden.

Das sei durch den Erfolg der Sozialdemokraten bei der Kommunalwahl zu erklären, es handele sich wohl um die Reaktion auf die neue rote Mehrheit in der Gemeindevertretung. „Jetzt herrscht Enttäuschung, die Aufbruchstimmung ist nicht mehr da“, so Becker, der zur Positionierung der Fraktion gegenüber dem neuen Bürgermeister noch nichts äußerte. „Wir waren auf Sieg eingestellt, das ist jetzt eine völlig neue Situation“, sagte Becker und verwies auf den Termin der ersten Parlamentssitzung am 2. Mai.

CDU: Matthias Wettlaufer, kommissarischer Sprecher der CDU, „freut sich sehr über das Ergebnis“, das er nahezu exakt getippt habe. „Ich dachte mir, dass es knapp wird“, 52 zu 48 Prozent sei seine Prognose gewesen. Auch in Absprache mit der FWG sei erfolgreich mobilisiert worden, der Wahlerfolg der SPD am 27. März habe eine Rolle gespielt.

Verglichen mit dem eigenen Kandidaten, Bernd Hennighausen, habe sich gezeigt, dass „Miltz an der Stelle für die Wähler besser“ gewesen sei. Innerhalb von zehn gemeinsamen Jahren in der CDU-Fraktion habe er Miltz als jemanden kennengelernt, der „an der Sache interessiert und sehr engagiert ist“. In der Entscheidung sei Miltz für die Ottrauer die bessere Alternative gewesen.

Für die kommende Arbeit erwartet der CDU-Mann eine konstruktive Zusammenarbeit, zumal in den vergangenen fünf Jahren bereits die meisten Entscheidungen im Parlament einstimmig gefallen seien.

UWG: „Die UWG gratuliert dem unabhängigen Kandidaten zum Wahlerfolg, über das Wahlergebnis sind wir allerdings überrascht“, teilte Heiner Stumpf, Sprecher der Unabhängigen Wähler, mit. „Eine erste Erklärung für den unerwarteten Ausgang dieser Wahl ist die Reaktion der Bürger auf die jüngsten Loyalitätsbekundungen des bürgerlichen Lagers zu Miltz.“ Leider hätten die Wähler „allzu schnell vergessen, dass als Voraussetzung für eine Kandidatur von Norbert Miltz zunächst sein Austritt aus der CDU notwendig war, da offensichtlich ein geeigneterer Kandidat zur Verfügung stand.“ Im zweiten Anlauf sei Miltz dann gut genug gewesen.

Und weiter: Es sei keine Notiz davon genommen worden, „dass die FWG-Fraktion den bürgerlichen Amtsinhaber Heinz Grein systematisch demontiert und ihren langjährigen Koalitionspartner, die CDU, über lange Zeit als Minderheitsfraktion mit dem Nasenring durch die kommunalpolitische Arena geführt“ habe.

Nun wedele der Schwanz mit dem Hund. „Wir sind gespannt, wie sich die parlamentarische Arbeit mit einer solchen Hypothek zum Wohle der Großgemeinde gestalten wird“, so der Sprecher der UWG. Er hoffe, dass Miltz sich seine Unabhängigkeit bewahrt.

FWG: Per Mitteilung äußerte sich auch FWG-Spitzenkandidat Lutz Friedrich. Die FWG Ottrau habe bekanntlich zur Stichwahl ihre Unterstützung für den Kandidaten Miltz erklärt. „Der Wahlausgang dokumentiert eindrucksvoll die Geschlossenheit der FWG-Anhänger, die sich unserem Votum angeschlossen haben und das Endergebnis entscheidend beeinflusst haben“.

Die FWG erwarte vom künftigen Rathauschef, dass er seine Aufgaben überparteilich und neutral angehe und ein Bürgermeister im Sinne der gesamten Gemeinde werde. Auch setzen die Freien Wähler auf Miltz‘ Kompetenz als Verwaltungsbeamter.

Alle Parteien sollten nun die Entscheidung akzeptieren und Norbert Miltz bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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