Freiwilligendienst: Debora Lengemann hat eine Jahr im israelischen Haifa gearbeitet

Freundschaft als Geschenk

Wieder zuhause: Die 21-jährige Debora Lengemann aus Riebelsdorf hat ein Jahr lang ältere Menschen in einem Seniorenheim in der Küstenstadt Haifa in Israel betreut. Foto: Rose

Riebelsdorf. Haifa, nach Jerusalem und Tel Aviv, Israels drittgrößte, direkt am Mittelmeer gelegene Stadt, war ein Jahr lang die Heimat von Debora Lengemann. Die 21-jährige Riebelsdorferin packte im Sommer 2009 ihre Koffer und reiste zum Freiwilligendienst nach Nordisrael. „Diese Erfahrung hat mir viele traurige, aber auch schöne Begegnungen beschert. Ich würde immer wieder nach Israel gehen“, sagt die junge Frau.

Die Organisation Dienste in Israel vermittelt Volontäre an verschiedene Einrichtungen im Land: Debora Lengemann arbeitete in Haifa im Haus Maon Reuth, einem Seniorenheim für Menschen, die während des Holocausts nach Israel auswanderten. Als 21-Jährige in einem Altenheim zu wohnen, daran gewöhnte sich die junge Frau schnell. „Meine Aufgabe bestand darin, älteren Menschen Gesellschaft zu leisten, sie zum Arzt, zum Einkaufen, zu Friseur- oder Bankterminen zu begleiten“, erzählt Christin.

Bilder der Flucht

Die Zeit des Holocausts haben Marianne, Kitty und die anderen alten Damen im Heim nie vergessen. Die Bilder der Flucht, die Erlebnisse des Transports, das Versteckspiel, das mühsame Annehmen einer neuen Identität, die Reise mit der „Exodus“, dem Immigrantenschiff nach Palästina – all das habe die Menschen in einer unbeschreiblichen Art und Weise geprägt, sagt Lengemann. Marianne, Mitte 80, hat viele Erinnerungen mit den jungen Leuten – in Haifa arbeiteten vier – geteilt: „Eure Generation kann für all das nichts. Aber ihr könnt etwas dafür tun, das so etwas niemals wieder passiert“, gab die alte Dame ihnen mit auf den Weg.

Von Herzlichkeit erstaunt

Die Geschichte des Holocausts beleuchtet auch die Gedenkstätte Yad Vashem. Sie erinnert an die Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden. „Ich habe die Gedenkstätte sechs Mal besucht, es war intensiv und bewegend“, erzählt die Riebelsdorferin. Deshalb sei sie besonders über die Herzlichkeit erstaunt gewesen, mit der sie aufgenommen wurde: „Das war wie ein Geschenk.“ Als anfangs ungewohnt beschreibt die 21-Jährige die hohe Militärpräsenz – auch in den Innenstädten. „Bevor man in Banken oder Supermärkte kam, wurden erstmal die Taschen kontrolliert“, erzählt sie. „Angst habe ich aber nie gehabt.“ Die Riebelsdorferin ist im Land herumgereist, hat Skuks – große Märkte – die Wüsten, Gebirgsketten und Küsten besucht. Auch in den Nachbarländern Ägypten und Jordanien war sie.

Nie vergessen wird sie das Weihnachtsfest. Mit einer Gruppe marschierte Debora Lengemann nach Bethlehem. „Die Geburtskirche liegt im palästinensischen Gebiet und das durften wir eigentlich nicht besuchen. Es war eine Ausnahme und ein großes Glück“, sagt sie. Marianne, Kitty und all die anderen haben ihr Bild von einem freundlichen, offenen Israel geprägt: „Mit einigen werde ich sicher in Kontakt bleiben.“ Abgereist ist die Riebelsdorferin mit einem Versprechen: „Israel, ich komme wieder.“

Hintergrund, Grafik

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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