Sanierung dauert mindestens ein Jahr

Friedenskirche Böddiger: Feuchter Baugrund sorgt für Risse im Gemäuer

+
Mit Hacke und Schippe: An einem Baudenkmal wie der Kirche in Böddiger kann man mit einem Bagger nicht arbeiten. Sati Özelik und Ali Mehmet (von links) legen die Gräben für die neue Entwässerung in aufwändiger Handarbeit an, um die alte Bausubstanz nicht zu beschädigen. Garten- und Landschaftsbauunternehmer Imdat Celiker und Architekt Jürgen Bauer (von rechts) begutachten den Fortschritt der Arbeiten

Böddiger. Bevor die Bausanierer und Denkmalpfleger in die evangelische Friedenskirche Böddiger einziehen, werden mindestens noch ein oder zwei Jahre vergehen. Zunächst einmal wird der Erdboden rund um das Gebäude trockengelegt.

Danach wird mindestens ein Jahr lang beobachtet, wie sich diese Arbeiten auf die Risse im historischen Gemäuer auswirken. Das erklärten Pfarrer Ernst-Friedrich Schluckebier und Architekt Jürgen Bauer in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Sanierung der 1799 vollendeten Friedenskirche wird nach wie vor als dringend notwendig bezeichnet. Die Kosten werden auf knapp eine halbe Million Euro geschätzt. Noch fehlt das Geld.

Namens des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde Felsberg und Böddiger hatte Schluckebier Anfang 2012 den Dekan des Kirchenkreises Melsungen gebeten, alles zu unternehmen, damit das Bauvorhaben möglichst bald in das Förderprogramm der Landeskirche aufgenommen wird.

"Die Risse sind wirklich schlimm", hatte Küsterin Erika Minhöfer seit 1971 Kirchenvorsteherin im Vorjahr gesagt. Und: "Seit zehn Jahren warten wir jetzt schon auf die Sanierung." Hatte man im Vorjahr beklagt, dass die zum Teil daumendicken Risse zunehmen, so gibt es inzwischen Entwarnung. "Es ist keine Gefahr im Verzug, hat uns der Statiker gesagt", erklärt Architekt Bauer. "Die Risse kommen nicht vom Dachstuhl, obwohl auch der saniert werden muss."

Geläutet wird nur vorsichtig

Dort, wo das Gemäuer gerissen ist, ist der Baugrund feucht. Das haben Untersuchungen ergeben. "Der Boden ist zum Teil breiig", sagt Pfarrer Schluckebier.

Rund um die Kirche wird eine 60 Zentimeter breite Rinne aus Sandsteinen gepflastert. Darin wird das Wasser gesammelt, die Leitung wird zusammen mit den Dachrinnen-Abflüssen ans Kanalnetz angeschlossen. Die Arbeiten hat der Kirchenvorstand an ein heimisches Unternehmen vergeben, das das günstigste Angebot vorgelegt hatte.

Die Risse haben sich im Laufe des zurückliegenden Jahres laut Bauer nur minimal verändert. Nach Abschluss der Trockenlegungs-Arbeiten hofft man, dass die Risse nicht noch größer werden. Ist das der Fall, kann das endgültige Sanierungskonzept erarbeitet werden. Die Notsicherung aus Holzbalken auf der Altarseite bleibt.

Aus Sicherheitsgründen wird weiterhin "vorsichtig geläutet", wie der Pfarrer sagt: nur samstags, sonntags und bei Beerdigungen. Wann das dreistimmige Festgeläut zum Abschluss der Sanierung erklingen wird, ist völlig offen. Dass sich der Baubeginn nun um ein bis zwei Jahre hinauszögert, liegt nach den Worten des Pfarrers daran, "dass mehr Diagnostik nötig war, als man gedacht hatte."

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

Kommentare