Bestatter Alfred Theis bereitet den Leichnam für den letzten Blick der Angehörigen vor

Friedlich wie im Schlaf

Exklusiv: Mit Schnitzerei verziert ist dieser Sarg, den Bestatter Alfred Theis seinen Kunden anbietet. Bevor der Tote eingesargt wird, bereitet Theis die Leiche auf den Moment vor, in dem die Angehörigen Abschied nehmen wollen. Fotos: Brückmann

Spangenberg. Morgen ist Totensonntag. Manche sagen auch Ewigkeitssonntag. Zeit zum Trauern. Zeit zum Erinnern an die verstorbenen Angehörigen. Von denen Abschied zu nehmen ist ebenso wichtig, wie ein Platz zum Trauern. Das sagt Alfred Theis. Der Tod ist sein Beruf.

Der Bestatter aus Spangenberg bereitet Tote für den Moment vor, in dem die Angehörigen von ihnen Abschied nehmen. Mit Massage gegen die Leichenstarre, mit Seife und Watte und kosmetischer Farbe.

Die Thanatologie ist die Wissenschaft vom Tod, vom Sterben und der Bestattung. Mit der hat sich Theis nicht nur als Bestatter seit über 25 Jahren in seiner täglichen Arbeit beschäftigt, sondern auch in Lehrgängen weitergebildet: „Wir haben unser Wissen von den Unikliniken.“ Die Präparatoren im Kassler Klinikum kennen ihn namentlich.

Theis ist nichts Menschliches fremd. Wenn sich die Muskeln des Menschen im Tod entspannen, dann gilt das auch für alle Körperöffnungen. Wäre der Tod planbar, sollte man Essen und Trinken rechtzeitig einstellen. Eine gründliche Körperreinigung ist Voraussetzung fürs Einsargen. Danach werden alle Körperhöhlen versiegelt.

Niemals ohne Gebet

Doch bevor Alfred Theis zu Wasser und Seife greift, spricht der gläubige Christ ein Gebet. Ohne einige Worte kommt bei ihm niemand in den Sarg. „Wenn ich diese Zeit nicht mehr habe, dann höre ich auf“, sagt er.

Selbst wenn die Atmosphäre in der Klinik-Pathologie für die meisten dort Arbeitenden noch so sehr von Gewohnheit bestimmt ist. Für viele ist das ein Selbstschutz. Nicht aber für Alfred Theis. Der 57-Jährige nimmt seine Kraft aus dem Glauben – und aus der Malerei. Die ist sein Hobby seit Kindertagen. Und sie hilft ihm, genau hinzusehen.

Die Anatomie des Gesichts ist wichtig, sagt Theis. „Was gibt es Faszinierenderes als das Gesicht oder das Porträt.“ Der Perfektionist möchte, dass die Angehörigen am offenen Sarg Abschied nehmen können, ohne zu erschrecken. Dass kein unnatürliches Bild in ihrer Erinnerung bleibt, auch nicht, wenn das Sterben schmerzhaft war und Spuren hinterlassen hat.

Dazu hilft eine Fotografie, denn „ich weiß ja nicht, hatte der die Haare nach hinten gekämmt oder nicht.“ In einem Koffer hat er Theaterschminke und Instrumente. Eine gute Stunde Arbeit verwandelt den vom Todeskampf Gezeichneten in einen friedlich Schlafenden.

Nur in wenigen Fällen rät der Bestatter davon ab, den Verstorbenen noch einmal anzuschauen. Denn der letzte Blick, ein letzter Händedruck sei wichtig. „Bei manchen dauert das zwei Minuten, bei anderen vier Stunden.“ In den meisten Fällen gelingt es Alfred Theis, den Toten so zu präparieren, dass die Angehörigen ein gutes Bild in Erinnerung behalten. Weitere Artikel

Von Andrea Brückmann

Quelle: HNA

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