Selbst zapfen am Automaten

An der neuen Gudensberger Milch-Tankstelle gilt Selbstbedienung 

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Von der Kuh in den Kühlautomaten: Die Milchtankstelle der Familie Sölzer (im Bild Christoph Sölzer) bietet in Selbstbedienung die gekühlte Milch an. Münzgeld ist nötig, Flaschen für einen Euro gibt es vor Ort. Die Tankstelle ist von 7 bis 22 Uhr täglich geöffnet.

Gudensberg. Seit zwei Wochen bietet die Familie Sölzer auf ihrem Hof in Gudensberg frische gekühlte Milch aus dem Automaten an, der Milchtankstelle.

Frank Börner ist begeistert: „Das schmeckt wenigstens nach richtiger Milch“, sagt der Gudensberger Bürgermeister und trinkt noch einen kräftigen Schluck aus der Flasche.

Bei der offiziellen Eröffnung der Milchtankstelle erklärte Christoph Sölzer, wie die Tankstelle funktioniert. „Jeder kann hier unsere Milch holen, unabhängig davon, ob jemand da ist“, betont der Landwirt. Denn die Tür zum Raum mit dem Milch-Automaten ist von 7 bis 22 Uhr offen. Ein Schild an der Umgehungsstraße neben der A 49 zwischen Metzer und Besser Straße (Trift) weist darauf hin.

Direkt neben den großen Tank, in den täglich die Milch der Kühe gepumpt wird, haben Sölzers ihre neueste Errungenschaft platziert. „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen“ steht ganz oben auf dem Gerät. Das sei wichtig, sagt der Milchbauer, da die Milch völlig unbehandelt sei.

Wie der Automat funktioniert, ist genau beschrieben. Man benötigt lediglich etwas Münzgeld und ein passendes Gefäß, zum Beispiel eine klassische Milchkanne oder eine Flasche. Die gibt es auch vor Ort für einen Euro im Regal an der Wand.

100 Liter passen in Automaten

Ein Liter frische Milch kostet einen Euro, man kann aber auch nur einen halben Liter für 50 Cent abzapfen. Die Abgabe geht 10-Cent-weise, je nach Menge der eingeworfenen Münzen. In den Automaten passen 100 Liter Frischmilch, die auf vier Grad Celsius gekühlt werden. Was nicht an einem Tag verkauft wurde, geht als Kälberfutter zurück in den Kreislauf. „Wir nutzen die Milch immer nur frisch“, sagt Sölzer. Nach der Leerung werde der Automat gereinigt und morgens neu befüllt.

Die Milchtankstelle steht im Stallgebäude, das vor zwei Jahren gebaut wurde. 120 Kühe leben in dem offenen Stall, können in ihre Boxen gehen und auf Stroh liegen oder bei Bedarf einen der beiden Melkroboter in Betrieb setzen. Gemolken wird dann, wenn die Kuh es möchte - der Roboter macht das selbsttätig.

Mehr Nähe zur Landwirtschaft

„Wir möchten, dass die Menschen mehr Nähe zur Landwirtschaft erleben“, sagt der Landwirt. Wer zur Milchtankstelle fahre, könne auch mal einen Blick in den offenen Stall werfen.

Die Tiere, die dort zu sehen sind, erzeugen die Milch, für die von den großen Abnehmern/Molkereien immer weniger an die Produzenten gezahlt wird. Aktuell sind es 21 Cent pro Liter: Das sind 40 Prozent weniger als 2013, sagt Stefan Strube vom Regionalbauernverband Kurhessen. Nicht genug, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Hintergrund 

Die 120 Kühe der Familie Sölzer produzieren 2500 Liter Milch am Tag. Soviel kann per Automat natürlich nicht verkauft werden, die Tankstelle ist vor allem ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Die Sölzers zeigen, was sie herstellen - und wie lecker die originäre Milch schmeckt. Alle zwei Tage kommt nachts der große Tank-Lkw der Hochwald-Molkerei und bringt die Milch nach Hungen oder Fulda, dort wird sie weiterverarbeitet - zu Bärenmarke-Milch, Milchpulver und mehr. Die Zahl der Milcherzeuger sinkt im Kreis ständig, heute sind es noch 350.

Quelle: HNA

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