Wer nicht zahlt bekommt schlechte Noten

Friseurmeisterin klagt an: „Die Innung mobbt uns“

Wolfhager Land. Friseurmeisterin Heidi Till aus Zierenberg verklagt die Friseur-Innung. Ihr Vorwurf: Nur weil sie kein Mitglied in der Handwerkerorganisation ist, bekommen ihre Auszubildenden in den Prüfungen regelmäßig schlechte Noten.

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Jüngster Fall: Ihre Auszubildende, die 18-jährige Anastasia Ntontou, erhielt in der Zwischenprüfung eine glatte Sechs für einen Haarschnitt, der nach Auffassung von Till bestens gelungen ist. Dieser Meinung sind auch andere Friseurmeisterinnen, die die Fotos gesehen haben, die Till bei der Prüfung gemacht hat. „Wer nicht zahlt, bekommt schlechte Noten“, das gelte auch für andere Handwerker, die kein Mitglied der Innung seien. „Das ist ein offenes Geheimnis. Nur traut sich niemand, das laut zu sagen.“ Heidi Till hat sich getraut und ihrer Meinung nach dafür die Quittung bekommen: „Die Innung hat mir mitgeteilt, dass meine Lehrlinge nicht mehr zur Prüfung zugelassen werden.“

Die Zierenbergerin findet es ganz schlimm, das junge, fähige Leute durch die schlechten Bewertungen frustriert würden. „Da wird mutwillig Zukunft verbaut.“ Es rege sie besonders auf, weil sie sich stark für die Ausbildung ihrer Lehrlinge engagiere. Sie halte auch Vorträge zum Thema Ausbildung und Praktikum in den Schulen. „Wir brauchen den Nachwuchs.“

„Wir haben das Mädchen am kommenden Montag zur Akteneinsicht und zu einem Gespräch eingeladen“, sagt Erich Horbrügger, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Er gehe davon aus, dass sich nach dem Gespräch alles geklärt habe. Zu Details dieses Falles könne er derzeit keine Stellung nehmen.

Die Handwerkskammer in Kassel ist in den Fall noch nicht involviert, rät jedoch dem Lehrling Akteneinsicht zu nehmen. Die Bewertungssysteme seien sehr komplex und für den Laien manchmal schwer zu verstehen, so Barbara Lange, Abteilungsleiterin Berufsbildung. Im Prüfungsausschuss würden ein Arbeitgeber-, ein Arbeitnehmervertreter und ein Lehrer sitzen. Das können auch Innungsmitglieder sein. Alle seien der Neutralität verpflichtet und sachkundig.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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